Eine Mail, die viele beschäftigt hat
Wer bei Hetzner Cloud-Server betreibt, hat es Mitte Juni schwarz auf weiß bekommen: Zum 15. Juni 2026, 8:00 Uhr MESZ, hat der Anbieter die Preise für Cloud- und standardisierte Dedicated-Server angehoben — und das nicht zaghaft. Im Schnitt liegen die deutschen Cloud-Tarife jetzt rund 99 Prozent über dem alten Niveau.
Solche Zahlen lösen reflexhaft Nervosität aus, und im ersten Moment denkt mancher Geschäftsführer schon an einen Umzug. Genau das ist aber meist die falsche Reaktion. Es lohnt sich, kurz innezuhalten und drei Fragen sauber zu trennen: Was steigt eigentlich, was bleibt gleich, und was sollten Sie für Ihre eigene Infrastruktur konkret daraus ableiten?
Auf einen Blick
- Wann: Die neuen Preise gelten seit dem 15. Juni 2026, 8:00 Uhr MESZ.
- Für wen: Betroffen sind ausschließlich Neubestellungen und das Rescaling bestehender Cloud-Instanzen. Bestehende, unveränderte Server laufen vorerst zum alten Preis weiter.
- Wie viel: In Deutschland im Schnitt rund +99 Prozent bei Cloud-Servern; in den USA rund +158 Prozent (bis +200 Prozent), in Singapur etwa +78 Prozent.
- Was nicht betroffen ist: Webhosting, Managed Server, Storage-Box, Load Balancer und IP-Adressen bleiben unverändert.
- Warum: Hetzner verweist auf die weiterhin sehr hohen Beschaffungskosten für neue Hardware — Haupttreiber sind die Preise für Arbeitsspeicher und SSDs.
Was teurer wird — und was nicht
Der wichtigste Punkt zuerst, weil er in den Schlagzeilen oft untergeht: Die Erhöhung greift nicht rückwirkend auf alles, was Sie heute betreiben. Solange eine Cloud-Instanz unverändert weiterläuft, wird sie weiter zum alten Preis abgerechnet. Teurer wird es erst, wenn Sie neu bestellen oder einen bestehenden Server skalieren — also auf einen größeren Tarif heben. Dieses Detail entscheidet darüber, ob Sie unter Zeitdruck stehen oder eben nicht.
Wer wissen will, wie groß der Sprung im Einzelfall ausfällt, findet bei den deutschen Tarifen klare Beispiele. Der CPX42 ist von rund 30,33 Euro auf etwa 82,69 Euro im Monat gestiegen, der CPX52 von rund 43,42 Euro auf etwa 119,58 Euro. Das sind keine Randmodelle, sondern Größen, die viele KMU produktiv im Einsatz haben.
Nicht jede Leistung ist betroffen. Webhosting, Managed Server, die Storage-Box, Load Balancer und IP-Adressen behalten ihre bisherigen Preise. Wer Hetzner also vor allem für Hosting oder Backups nutzt, spürt die Anpassung gar nicht.
Warum die Preise gerade überall steigen
Hetzner steht mit dieser Entwicklung nicht allein da, und das ist für die Einordnung wichtig. Hinter der Erhöhung steht kein hausgemachtes Problem, sondern eine Verschiebung auf dem Weltmarkt für Speicher-Bauteile.
Der Auslöser ist die KI-Infrastruktur. Die Hersteller von Arbeitsspeicher verlagern einen wachsenden Teil ihrer Fertigung auf hochbandbreitigen Speicher (HBM) für KI-Rechenzentren — und genau diese Kapazität fehlt anschließend im klassischen Server-Geschäft. Die Folge zeigt sich in den Einkaufspreisen: Die DRAM-Vertragspreise lagen im ersten Quartal 2026 rund 50 bis 60 Prozent über dem Niveau von Ende 2025. Einzelne Speichermodule, etwa ein 64-GB-DDR5-Riegel für Server, bewegen sich je nach Quelle und Tag in einer deutlich höheren Spanne als noch vor einem Jahr — eine belastbare Größenordnung, kein fester Tagespreis.
Dass ein Anbieter steigende Einkaufskosten irgendwann weitergibt, ist in diesem Umfeld nachvollziehbar. Die Branche rechnet für April bis September 2026 mit etwa 5 bis 10 Prozent höheren Serverpreisen insgesamt; eine spürbare Entspannung wird eher für 2027 erwartet. Anders gesagt: Der Preisdruck ist kein Hetzner-Thema, sondern ein Marktthema — und er begleitet die Branche noch eine Weile.
Was Sie jetzt tun sollten
Aus all dem folgt vor allem eines: Ruhe bewahren und gezielt prüfen, statt vorschnell handeln. Vier Schritte haben sich bewährt.
- Bestandsserver erst einmal laufen lassen. Was heute unverändert produktiv läuft, kostet weiter den alten Preis. Es gibt keinen technischen oder finanziellen Grund, deshalb über Nacht umzuziehen. Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick, welche Ihrer Instanzen überhaupt betroffen wären — nämlich nur die, bei denen ohnehin bald ein Rescale oder Neuaufbau ansteht.
- Vor dem nächsten Rescale oder Neukauf das Right-Sizing klären. Bevor Sie eine Instanz auf einen größeren Tarif heben, lohnt der ehrliche Blick auf die tatsächliche Auslastung. Oft ist eine Maschine über die Jahre größer dimensioniert worden, als der reale Bedarf es verlangt. Wer hier nachschärft, fängt einen Teil der Preiserhöhung schon durch die passendere Größe wieder auf.
- Reserved- und Langzeit-Optionen abwägen. Für planbare, dauerhaft laufende Workloads kann eine längere Bindung oder ein Langzeit-Tarif günstiger sein als die flexible Abrechnung — bei stabilem Bedarf ein wirksamer Hebel. Diese Rechnung sollten Sie allerdings konkret aufmachen, statt sie pauschal anzunehmen, denn der Vorteil hängt stark von Ihrem Lastprofil ab.
- Angebote vergleichen, statt reflexhaft umzubuchen. Europäische Alternativen wie netcup oder OVHcloud werden derzeit häufiger genannt, und für einzelne Linien kann ein Vergleich sich lohnen. Hetzner bleibt für kostenoptimierte Setups eine starke Wahl, ist bei dedizierten vCPU-Linien aber nicht mehr automatisch erste Adresse. Entscheidend ist, dass ein Umzug aus einer sauberen Gegenüberstellung folgt — Migrationsaufwand, Datenwege und Vertragsdetails eingerechnet — und nicht aus dem ersten Schreck.
Fazit
Die Hetzner-Preiserhöhung ist ein guter Anlass, die eigene Cloud-Rechnung einmal bewusst durchzugehen — aber kein Grund zur Hektik. Bestehende Server laufen vorerst weiter wie bisher, und der eigentliche Hebel liegt im nächsten geplanten Schritt: richtig dimensionieren, Tarifmodelle sauber vergleichen und erst dann entscheiden. Dass die Preise marktweit steigen, lässt sich nicht wegdiskutieren; wie viel davon am Ende auf Ihrer Rechnung landet, lässt sich aber durchaus beeinflussen.
Wenn Sie wissen möchten, welche Ihrer Instanzen betroffen sind und wo sich Right-Sizing oder ein Langzeit-Tarif konkret rechnet, schauen wir uns das gemeinsam an — bevor der nächste Rescale-Klick die Entscheidung für Sie trifft.
