Am 23. September 2026 hat Microsoft in den Versionshinweisen zu Microsoft 365 Copilot eine neue Admin-Steuerung angekündigt, mit der sich alle Daten von People Skills dauerhaft löschen lassen. Gemeint sind die Fähigkeitsbibliothek der Organisation und sämtliche bestätigten, geschätzten und importierten Angaben zu einzelnen Nutzern. Auslösen kann das nur ein Administrator. Die Versionshinweise umfassen den Zeitraum vom 26. August bis 22. September 2026, der Eintrag trägt die Roadmap-ID 565905.

Wenn ein Hersteller eigens einen Knopf zum vollständigen Löschen nachreicht, lohnt ein Blick auf die Funktion selbst. People Skills berührt eine Frage, die in jedem Betrieb heikel ist: Was kann wer, und wer darf das sehen?

Was People Skills macht

People Skills richtet ein Administrator im Microsoft 365 Admin Center ein. Wird es eingerichtet, gilt ab Werk: Die KI schätzt Fähigkeiten für Nutzer mit Copilot- oder Viva-Lizenz, und diese Schätzungen sind auf der Profilkarte für Kollegen sichtbar. Die Profilkarte ist so etwas wie die digitale Visitenkarte einer Person innerhalb von Microsoft 365. Als Grundlage der Schätzung nennt Microsoft die Aktivität des Nutzers in Microsoft 365 und seine Rolle.

Auf der Profilkarte gibt es zwei Arten von Einträgen. Von der KI geschätzte Fähigkeiten erscheinen grau, bestätigte blau mit einem Haken. Für andere in der Organisation sichtbar sind auch die grauen.

Microsoft nennt auch einen Zeitrahmen. Die ersten Schätzungen sollen innerhalb von 48 Stunden nach der Einrichtung erscheinen. Bis alle Nutzer eines Mandanten erfasst sind, kann es bis zu fünf Tage dauern. Mandant meint die Microsoft-365-Umgebung Ihrer Firma.

Welche Lizenz dahintersteckt

People Skills kommt laut Microsoft mit Microsoft-Copilot- oder Viva-Lizenzen und braucht keine eigene Lizenz. Ob die KI schätzt, hängt am Dienstplan, also an einem Baustein innerhalb der Lizenz:

  • Mit dem Dienstplan „Microsoft Copilot in Productivity Apps“ gehört die KI-Schätzung dazu.
  • Ohne Copilot-Lizenz, mit dem Dienstplan „People Skills - Foundation“, gibt es People Skills ohne KI-Schätzung.
  • Für Microsoft-365-Nutzer ohne Copilot ist die KI-Schätzung ab Werk nicht verfügbar.
  • Für Nutzer mit Microsoft 365 E3 oder E5 ist sie ab Werk aus. Ein Admin kann sie einschalten, allerdings nur in Mandanten mit mindestens einer Copilot-Lizenz.

Auf einer anderen Seite nennt Microsoft die KI-Schätzung für Copilot- und Viva-Nutzer als voreingestellt. Ob und welche Viva-Lizenzen den Dienstplan „Microsoft Copilot in Productivity Apps“ enthalten, sagen die gelesenen Microsoft-Seiten nicht. Maßgeblich ist, welcher Dienstplan in Ihrer Lizenz steckt; das klärt Ihr Dienstleister.

Wer einrichtet und wo

Einrichten dürfen laut Microsoft die Rollen AI administrator und Knowledge administrator, wahlweise per Schnelleinrichtung oder benutzerdefiniert. Microsoft beschreibt den Weg in der englischen Oberfläche des Admin Centers: Copilot > Settings > View all > „People Skills in Microsoft Copilot“ > „Go to People Skills to set up and manage“ > „Get started“. Alternativ geht es über Settings > Viva > Data Management > People Skills.

Diesen Pfad müssen Sie nicht selbst kennen. Wichtig ist, wer bei Ihnen eine der beiden Rollen innehat, ob Ihr IT-Dienstleister oder jemand im Haus. Diese Person kann People Skills einrichten.

Die Schalter und was sie bewirken

Microsoft nennt fünf Steuerungen. Wird People Skills eingerichtet, ist ab Werk jede davon eingeschaltet:

SteuerungVoreinstellung
People Skills user experiencesAn
Skills AI Inferencing (KI-Schätzung)An, Nutzer können es für sich abschalten
Skills Profile Visibility (Sichtbarkeit des Profils)An, Nutzer können es für sich abschalten
Show AI-Inferred skills (KI-geschätzte Fähigkeiten anzeigen)An, Nutzer können es für sich abschalten
Show Imported Skills (importierte Fähigkeiten anzeigen)An, Nutzer können es für sich abschalten

Für die Planung zählt ein Satz aus Microsofts Dokumentation besonders: Admins können diese Steuerungen jederzeit setzen, vor, während oder nach der Einrichtung. Wer vorher entscheidet, legt fest, was vom ersten Tag an gilt.

Beim Abschalten gibt es Stufen, und die unterscheiden sich deutlich:

  1. KI-Schätzung aus. Die KI-Schätzung lässt sich weich oder hart abschalten. Weich heißt, Nutzer können sie für sich wieder einschalten. Hart heißt, sie können es nicht. KI-geschätzte und importierte Fähigkeiten lassen sich zudem hart ausblenden.
  2. Sichtbarkeit nur weich. Die Sichtbarkeit des Profils kann ein Admin nur auf „aus, Nutzer können sie für sich einschalten“ stellen. Ein hartes Abschalten bietet Microsoft hier ausdrücklich nicht an.
  3. „People Skills user experiences“ aus. Wer diesen Schalter für Nutzer abschaltet, löscht deren Fähigkeitsdaten dauerhaft. Wird er wieder eingeschaltet, kommen die Daten nicht zurück.
  4. Löschsteuerung. Die neue Steuerung aus den Versionshinweisen entfernt alles, auch die Fähigkeitsbibliothek. Sie steht nur Mandanten zur Verfügung, die People Skills eingerichtet haben. Berechtigt sind Global Administrator, Knowledge Admin oder AI admin, der Weg lautet Copilot > Settings > Data access > People Skills in Microsoft Copilot > Settings > „People Skills removal and deletion“. Die meisten Daten sind nach 48 bis 72 Stunden gelöscht, bei Viva Learning kann es bis zu einer Woche dauern. Das ist endgültig: Wer People Skills danach wieder nutzen will, muss die Ersteinrichtung erneut durchlaufen.

Zum Abschalten nutzt ein Admin das „Feature access management“ (Admin Center > Settings > Viva > Settings > Feature access management > People Skills > Add policy) oder PowerShell, eine Befehlszeile für Administratoren. Das geht für den ganzen Mandanten, für Gruppen oder für einzelne Nutzer. Eine Änderung ist nach bis zu 24 Stunden umgesetzt. Bis sie in allen Oberflächen angekommen ist, können bis zu 72 Stunden vergehen.

Auch Ihre Mitarbeitenden können selbst handeln: Die KI-Schätzung lässt sich für die eigene Person im Profil-Editor von Microsoft 365 abschalten, Reiter „Data and Privacy“.

Das Häkchen für Viva Insights

Bei der Einrichtung schlägt Microsoft eine weitere Einstellung als „Recommended“ vor: „Allow skills in Viva Insights“. Damit gehen Fähigkeitsdaten an Viva Insights, einen weiteren Microsoft-Dienst, und zwar einschließlich noch unbestätigter KI-Schätzungen. Wird das später abgeschaltet, bleiben die bis dahin übertragenen Daten in Viva Insights erhalten. Diese Einstellung verdient deshalb eine bewusste Entscheidung, bevor die Einrichtung abgeschlossen ist.

Warum das vor der Einführung auf den Tisch gehört

Microsoft selbst beschreibt als Anwendungsfall für seine Abschaltwege Organisationen, die wegen Vorgaben eines Betriebsrats People Skills für bestimmte Regionen abschalten müssen, und nennt dabei ausdrücklich Nutzer in Deutschland. Eine Rechtsauskunft für Ihren Betrieb ist das nicht. Es zeigt aber, dass der Hersteller die Frage kennt.

Ob die Einführung in Ihrem Betrieb der Mitbestimmung unterliegt und was der Datenschutz verlangt, sind Rechtsfragen. Wer People Skills einrichten will, klärt sie vorher mit seiner Rechtsberatung und, soweit vorhanden, mit Betriebsrat und Datenschutzbeauftragten.

Unabhängig davon spricht viel für ein offenes Gespräch mit den Mitarbeitenden. Eine KI-Schätzung bleibt eine Schätzung. Solange niemand sie bestätigt, erscheint sie grau, für die Kollegen sichtbar ist sie trotzdem. Wer von der Funktion erst über die eigene Profilkarte erfährt, fühlt sich leicht übergangen. Und jede und jeder sollte wissen, wo sich die KI-Schätzung für die eigene Person abschalten lässt.

Was Sie konkret tun können

  1. Lassen Sie prüfen, ob People Skills in Ihrem Mandanten bereits eingerichtet ist. Das ist die erste Frage an Ihren IT-Dienstleister oder Ihren Microsoft-365-Admin.
  2. Ist es nicht eingerichtet, entscheiden Sie vorher. Weil sich die Steuerungen schon vor der Einrichtung setzen lassen, kann Ihr Admin festlegen, was ab dem ersten Tag gilt, zum Beispiel für welche Gruppen die KI-Schätzung läuft.
  3. Ist es eingerichtet, lassen Sie sich die Schalterstellungen zeigen. Fragen Sie nach allen fünf Steuerungen aus der Tabelle und nach der Einstellung für Viva Insights.
  4. Klären Sie, welche Ihrer Lizenzen welche Dienstpläne enthalten. Davon hängt ab, ob bei Ihnen überhaupt KI-Schätzungen entstehen können.
  5. Informieren Sie Ihre Mitarbeitenden, bevor die ersten Schätzungen erscheinen. Dazu gehört der Weg zum eigenen Abschalten im Profil-Editor.
  6. Wählen Sie beim Abschalten die passende Stufe. Wer nur die KI-Schätzung stoppen will, braucht weder den Schalter „People Skills user experiences“ noch die Löschsteuerung. Beide löschen dauerhaft.

Was offen ist

Bleibt die Frage, ob People Skills auch ohne Einrichtung durch einen Admin KI-Schätzungen erzeugen kann. Microsofts Dokumentation beschreibt durchgehend eine Ersteinrichtung durch einen Administrator als Ausgangspunkt. Sie erwähnt ausdrücklich Mandanten, die People Skills nicht eingerichtet haben, und laut Microsoft erscheinen die ersten Schätzungen nach der Einrichtung. Nach dieser Lesart gelten die Voreinstellungen „An“ ab der Einrichtung.

Einen Satz, der ausdrücklich sagt, dass ohne Einrichtung keine KI-Schätzungen entstehen, haben wir in den gelesenen Microsoft-Seiten allerdings nicht gefunden. Die Seite zu den Datenschutz- und Freigabe-Steuerungen nennt die KI-Schätzung für berechtigte Copilot- und Viva-Nutzer als voreingestellt, ohne diese Aussage auf eingerichtete Mandanten zu beschränken. Ob Microsoft das Verfahren ändert, lässt sich aus der Dokumentation mit Stand 25. September 2026 nicht ablesen. Unser Rat deshalb: nicht annehmen, sondern nachsehen lassen.

Drei weitere Punkte lässt dieser Artikel bewusst offen. Welche Inhalte die KI im Einzelnen auswertet, beschreiben wir nicht genauer, als Microsoft es mit „Aktivität in Microsoft 365 und Rolle“ zusammenfasst. Welche Microsoft-Tarife den Dienstplan mit KI-Schätzung enthalten, klärt Ihr Dienstleister anhand Ihrer tatsächlichen Lizenzen. Und die rechtliche Bewertung für Ihren Betrieb gehört in die Hände Ihrer Rechtsberatung.

Wenn Sie wissen möchten, wie People Skills in Ihrem Mandanten eingestellt ist, sprechen Sie uns gern an.

Quellen

Alle Quellen abgerufen am 25. September 2026.