Die Nutzerlizenz ist nicht mehr die ganze Rechnung

Wer Microsoft 365 Copilot einsetzt, hatte die Kosten bisher mit einer einzigen Zahl im Griff: Preis je Nutzer und Monat, mal Anzahl der Lizenzen. Seit dem 16. Juni 2026 steht daneben eine zweite Abrechnungsschiene. Microsoft hat an diesem Tag den Agentendienst Copilot Cowork allgemein verfügbar erklärt — und ihn ausdrücklich nicht pro Nutzer lizenziert, sondern nach Verbrauch abgerechnet. Die Verbrauchseinheit heißt Copilot Credit; ihren Preis im Pay-as-you-go-Modell gab Microsoft an diesem Tag mit 0,01 US-Dollar an.

Das ändert die Art der Zahl, nicht bloß ihre Höhe. Eine Nutzerlizenz kennen Sie vor dem Monat. Eine Verbrauchsposition kennen Sie nach dem Monat — es sei denn, jemand hat vorher eine Obergrenze eingetragen.

Aktualisiert am 9. Oktober 2026: Microsoft hat den Stichtag für Neukäufe von Microsoft 365 Copilot Business über einen Partner verschoben. Angekündigt war zunächst der 2. November 2026. Mit einer Meldung vom 1. Oktober 2026 gilt der 1. Dezember 2026. Die voreingestellte Grenze ist dort beziffert: 4.000 Copilot Credits je Nutzer und Monat, von der Administration änderbar. In Deutschland ist die Änderung zunächst nicht verfügbar; einen Termin dafür nennt Microsoft nicht. Angepasst sind deshalb der Abschnitt zum standardmäßig ausgeschalteten Dienst, die Liste am Ende und die Stand-Angabe. Der Hinweis vom 18. September 2026 gibt den damaligen Stand wieder.

Aktualisiert am 1. Oktober 2026: Microsofts Verwaltungsdokumentation mit Stand 30. September 2026 führt sechs Dienste in der Verbrauchsabrechnung statt der bisher hier genannten zwei, weitere sind angekündigt. Angepasst sind deshalb die Liste der abgerechneten Dienste, die Stand-Angaben zur Dokumentation und der Abschnitt zur Obergrenze, denn eine laufende Aufgabe darf die Grenze je Nutzer überschreiten. Den Preis von 0,01 US-Dollar je Credit geben wir als Stand der Microsoft-Ankündigung vom 16. Juni 2026 an, denn die Microsoft-Seiten, die wir am 1. Oktober 2026 gelesen haben, nennen keinen. Die übrigen Aussagen geben den Stand vom 4. September 2026 mit der Aktualisierung vom 18. September 2026 wieder.

Aktualisiert am 18. September 2026: Microsoft hat Partnern am 16. September 2026 angekündigt: Wer ab dem 2. November 2026 Microsoft 365 Copilot Business neu über einen Partner (Cloud Solution Provider, kurz CSP) kauft, bekommt die Verbrauchsabrechnung voreingestellt, einschließlich einer voreingestellten Monatsgrenze, deren Höhe Microsoft damals nicht nannte (neuer Stichtag und Höhe: siehe Hinweis vom 9. Oktober 2026). Ob Copilot Cowork damit für Ihre Mitarbeitenden sofort nutzbar ist, sagt die Ankündigung nicht; nach Microsofts Verwaltungsdokumentation gewährt erst eine Ausgabenrichtlinie, die Cowork auswählt, den Zugang. Ergänzt sind deshalb der Abschnitt zum standardmäßig ausgeschalteten Dienst, der Schalter „Auto-apply new services" und ein Hinweis für Neubestellungen ab dem 2. November 2026.

Was verbrauchsabhängig abgerechnet wird

Nach Microsofts Verwaltungsdokumentation mit Stand 30. September 2026 werden im Microsoft-365-Admin-Center sechs Dienste nach Verbrauch abgerechnet:

  • Cowork, der Agentendienst Copilot Cowork (Copilot-Lizenz vorausgesetzt)
  • Advanced work in SharePoint (Copilot-Lizenz vorausgesetzt)
  • Advanced work in OneDrive (Copilot-Lizenz vorausgesetzt)
  • Work IQ API für eigene Anwendungen und Agenten, also die Programmierschnittstelle, über die eigene Anwendungen auf dieselben Dienste zugreifen
  • Copilot Managed Runtime
  • Teams Phone Agent

Was „Advanced work" in SharePoint und OneDrive konkret umfasst, erklärt die Dokumentation an dieser Stelle nicht. Ob die letzten drei Dienste der Liste eine Copilot-Lizenz voraussetzen, lässt sich ihr nicht entnehmen. Microsoft kündigt weitere Dienste an; am 25. September 2026 nannte Microsoft dafür Code, Autopilot (vormals Scout) und bestimmte Spitzenmodelle. In der Liste vom 30. September 2026 stehen Code und Autopilot noch nicht, einen Termin dafür nennt Microsoft nicht.

Was Sie in Chat, Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams aus Ihrer Copilot-Lizenz heraus nutzen, ist nach Microsofts Preismodell Teil der Nutzerlizenz. In SharePoint und OneDrive dagegen führt Microsoft die eigenen Dienste „Advanced work", die nach Verbrauch abgerechnet werden. Wie Microsoft Lizenz und Verbrauch im neuen Copilot gegeneinander abgrenzt, ordnet unser Beitrag zum Preismodell des neuen Copilot ein.

Copilot Cowork setzt zudem eine Copilot-Nutzerlizenz voraus. Die Verbrauchsabrechnung tritt also neben die Lizenz, nicht an ihre Stelle. Wer den Dienst nutzen will, zahlt beides.

Warum hier keine Beispielrechnung steht

Was eine einzelne Aufgabe an Einheiten verbraucht, hängt laut Microsoft von vier Größen ab: vom verwendeten Modell, vom Umfang des Kontextabrufs, von der Zahl der Werkzeugaufrufe und von der Laufzeit. Dieselbe Frage kann also unterschiedlich viel kosten, je nachdem, wie viele Dokumente der Agent heranzieht und wie lange er arbeitet.

Deshalb finden Sie in diesem Beitrag bewusst keine Hochrechnung auf einen Monatsbetrag. Belegt ist der Preis je Einheit nur als Stand der Microsoft-Ankündigung vom 16. Juni 2026: 0,01 US-Dollar, hier nicht in Euro umgerechnet. Die Microsoft-Seiten, die wir am 1. Oktober 2026 gelesen haben, nennen keinen Preis je Credit. Was daraus in Ihrem Betrieb wird, hängt an den vier Größen oben; jede Zahl, die wir Ihnen hier nennen würden, wäre geraten. Genau darin liegt aber der praktische Punkt: Eine Position, deren Höhe sich vorab nicht seriös beziffern lässt, braucht einen Deckel.

Der Dienst ist standardmäßig aus — das ist die gute Nachricht

Microsoft liefert Copilot Cowork deaktiviert aus. Eingeschaltet wird er durch eine Entscheidung der Administration in Ihrem Mandanten, also in Ihrem eigenen Bereich der Microsoft-Cloud. Für Sie heißt das: Die erste Frage lautet nicht „wie teuer wird das", sondern „steht der Schalter bei uns überhaupt auf an".

Diese Frage lässt sich beantworten, statt sie zu vermuten. Wer Copilot-Lizenzen im Haus hat, sollte den Stand kennen — und ihn mit Datum festhalten. Der Satz „am 4. September 2026 stand der Dienst auf aus" ist in einem halben Jahr mehr wert als die Erinnerung daran.

Eine Einschränkung gilt für Neukäufe ab dem 1. Dezember 2026. Wer Microsoft 365 Copilot Business dann einzeln oder im Paket neu über einen Partner kauft, erhält nach Microsofts Partner-Ankündigung vom 1. Oktober 2026 die Verbrauchsabrechnung bereits eingerichtet: nutzungsabhängige Abrechnung (Pay-as-you-go) als Voreinstellung, die dafür nötige Einrichtung eines Azure-Abonnements und eine voreingestellte Grenze von 4.000 Copilot Credits je Nutzer und Monat, die die Administration ändern kann. Der Schritt, die Abrechnung erst selbst einzurichten, entfällt dort also. Den Zugang zu Copilot Cowork gewährt nach Microsofts Verwaltungsdokumentation erst eine Ausgabenrichtlinie, die Cowork auswählt; schon eine Grenze von einem Credit genügt dafür. Ob bei einem solchen Neukauf mit der voreingestellten Grenze bereits eine solche Richtlinie aktiv ist, sagt die Ankündigung nicht, und wir konnten es nicht klären. Zu Verlängerungen bestehender Lizenzen und zum Kauf direkt bei Microsoft macht die Ankündigung keine Aussage.

Die Ankündigung nennt außerdem Länder, in denen die Änderung zunächst nicht verfügbar ist: Deutschland, unter anderem auch Frankreich, Italien, die Niederlande, Polen und Spanien. Einen Termin für Deutschland nennt Microsoft nicht. Österreich und die Schweiz stehen nicht auf der Liste; ob dort die Voreinstellung am 1. Dezember 2026 greift, sagt die Meldung nicht.

Die Ausgabengrenze gehört vor die erste Aufgabe

Für die Kostenseite beschreibt Microsoft einen eigenen Bereich zur Kostenverwaltung im Microsoft-365-Admin-Center. Die zugehörige Dokumentationsseite trägt den Stand 30. September 2026. Dieser Abschnitt beruht auf ihrer Fassung mit Stand 21. August 2026, aktualisiert am 3. September 2026; sie nannte drei Werkzeuge:

  • Budgets — ein Betrag, der einem Bereich oder einer Gruppe zugeordnet wird.
  • Benachrichtigungen — Meldungen, wenn der Verbrauch sich der gesetzten Marke nähert.
  • Harte Obergrenzen — der Punkt, an dem die verbrauchsabhängige Nutzung endet, statt weiterzulaufen; für laufende Aufgaben gilt eine Ausnahme (siehe unten).

Die Unterscheidung zwischen dem zweiten und dem dritten Werkzeug ist der ganze Punkt. Eine Benachrichtigung erreicht Sie, während etwas läuft — im Zweifel freitagabends. Eine harte Obergrenze sorgt dafür, dass es aufhört. Beides wirkt nur, wenn es eingetragen ist, bevor die erste Aufgabe startet: Eine bereits entstandene Rechnung lässt sich nachträglich nicht deckeln.

Das ist Arbeit von Minuten, und sie ist der einzige wirksame Schutz gegen eine Position, deren Höhe Sie sonst erst mit der Abrechnung erfahren.

In der Fassung vom 30. September 2026 beschreibt Microsoft die Steuerung über Ausgabenrichtlinien mit Grenzen und Warnungen und nennt dabei eine Ausnahme: Überschreitet eine laufende Aufgabe die Grenze je Nutzer, darf sie ohne Unterbrechung zu Ende laufen. Den Mehrverbrauch rechnet Microsoft nach dieser Angabe nicht auf die Grenze an und zeigt ihn nicht in den Übersichten der Kostenverwaltung. In Rechnung gestellt wird er laut Microsoft nicht, allerdings mit dem Vorbehalt „at Microsoft's sole discretion", also nach alleinigem Ermessen von Microsoft. Eine Grenze je Nutzer bricht eine laufende Aufgabe also nicht ab.

Vorher rechnen statt hinterher nachsehen

Für die Planung stellt Microsoft einen Schätzer bereit, den Customer Cowork Estimator. Damit lässt sich der Verbrauch für die geplante Nutzung modellieren, bevor sie stattfindet. Dieses Werkzeug gehört in die Entscheidung, ob der Dienst eingeschaltet wird — nicht in die Nachschau, wenn die erste Abrechnung im Haus ist.

Ein sinnvoller Zwischenschritt ist der begrenzte Versuch: Dienst einschalten, Obergrenze niedrig setzen, eine überschaubare Zahl echter Aufgaben laufen lassen und danach im Kostenbereich ablesen, was tatsächlich verbraucht wurde. Aus dieser eigenen Messung wird eine belastbare Größe für Ihren Betrieb — und die ist mehr wert als jede fremde Beispielrechnung.

Was das für unseren Beitrag vom 13. Juni 2026 bedeutet

In „Microsoft 365 Copilot wird feste Business-Lizenz" vom 13. Juni 2026 haben wir geschrieben, die feste Lizenz bringe planbare, stabile Lizenzkosten. Das gilt weiterhin — für die Lizenz. Für die gesamte Copilot-Rechnung gilt es seit dem 16. Juni 2026 nicht mehr uneingeschränkt: Die Nutzerlizenz ist die Eintrittskarte, die Agentennutzung steht verbrauchsabhängig daneben. Wir halten das hier ausdrücklich fest, statt die frühere Aussage stillschweigend zu ersetzen.

Ein Nebenbefund zum eingeschalteten Dienst

Am Patchday des 11. August 2026 hat Microsoft in Copilot Cowork eine Schwachstelle geschlossen: CVE-2026-59118, bewertet mit CVSS 9.3, eine fehlerhafte Autorisierung, über die sich Rechte über das Netz ausweiten ließen. Behoben wurde sie herstellerseitig; eine Kundenaktion war nach Microsofts Angabe nicht nötig — es gab für Sie nichts zu patchen.

Daraus folgt keine Warnung, sondern eine schlichte Feststellung: Ein Dienst, den Sie nicht eingeschaltet haben, hat weder eine Angriffsfläche noch eine Rechnung. Das Einschalten ist eine bewusste Entscheidung — und sie darf ohne Weiteres für den Dienst ausfallen, wenn der Nutzen absehbar ist.

Was jetzt zu tun ist

  • Nachsehen, ob Copilot Cowork in Ihrem Mandanten aktiv ist. Ohne Copilot-Lizenzen im Haus erübrigt sich der Rest.
  • Wenn der Dienst aus ist und aus bleiben soll: Zustand mit Datum notieren, fertig. Kein Verbrauch, keine Rechnung.
  • Wenn er an ist oder eingeschaltet werden soll: zuerst ein Budget und eine harte Obergrenze im Kostenbereich des Microsoft-365-Admin-Centers eintragen, danach den Dienst freigeben — in dieser Reihenfolge. In jeder Ausgabenrichtlinie außerdem den Schalter „Auto-apply new services" bewusst entscheiden: Er steht standardmäßig auf an, und dann fallen künftige unterstützte Copilot-Dienste und Agenten automatisch unter die Richtlinie.
  • Bei einer Neubestellung von Copilot Business über einen Partner ab dem 1. Dezember 2026: beim Partner erfragen, ob die voreingestellte Grenze von 4.000 Credits je Nutzer und Monat zu Ihrem Betrieb passt und wer die Warnmeldungen zum Verbrauch erhält. In Deutschland ist die Änderung laut Microsoft zunächst nicht verfügbar.
  • Den erwarteten Verbrauch vorher modellieren, mit dem Schätzer von Microsoft und für die Aufgaben, die Sie tatsächlich vorhaben.
  • Zuständigkeit klären: Wer darf den Dienst einschalten, wer sieht die Verbrauchszahlen an, und wie oft? Eine Obergrenze ohne jemanden, der sie im Blick behält, ist nur die halbe Antwort.

Die Produktbezeichnungen führt Microsoft durchgehend englisch — Copilot Cowork, Work IQ API, Copilot Credits. Je nach Spracheinstellung Ihres Mandanten können die Beschriftungen in der Oberfläche abweichen; suchen Sie im Zweifel nach den englischen Begriffen.

Falls Sie den Stand in Ihrem Mandanten nicht selbst ablesen möchten: Wir sehen nach, tragen die Grenzen ein und halten fest, was am Stichtag gesetzt war. In vielen kleinen Betrieben endet das mit dem Ergebnis, dass gar nichts eingeschaltet ist — und auch dieses Ergebnis ist eine Information, die schriftlich mehr wert ist als im Kopf.

Stand dieses Beitrags: 4. September 2026, mit den oben datierten Aktualisierungen. Grundlage sind Microsofts eigene Angaben zur Verfügbarkeit von Copilot Cowork vom 16. Juni 2026, die Partner-Ankündigung vom 16. September 2026 in der Aktualisierung vom 1. Oktober 2026, Microsofts Ankündigung des neuen Copilot vom 25. September 2026 und die Verwaltungsdokumentation zur verbrauchsabhängigen Abrechnung mit dem Stand 30. September 2026.