Die Nutzerlizenz ist nicht mehr die ganze Rechnung

Wer Microsoft 365 Copilot einsetzt, hatte die Kosten bisher mit einer einzigen Zahl im Griff: Preis je Nutzer und Monat, mal Anzahl der Lizenzen. Seit dem 16. Juni 2026 steht daneben eine zweite Abrechnungsschiene. Microsoft hat an diesem Tag den Agentendienst Copilot Cowork allgemein verfügbar erklärt — und ihn ausdrücklich nicht pro Nutzer lizenziert, sondern nach Verbrauch abgerechnet. Die Verbrauchseinheit heißt Copilot Credit und kostet im Pay-as-you-go-Modell 0,01 US-Dollar.

Das ändert die Art der Zahl, nicht bloß ihre Höhe. Eine Nutzerlizenz kennen Sie vor dem Monat. Eine Verbrauchsposition kennen Sie nach dem Monat — es sei denn, jemand hat vorher eine Obergrenze eingetragen.

Was verbrauchsabhängig abgerechnet wird

Betroffen sind nach Microsofts Verwaltungsdokumentation zwei Dinge: der Agentendienst Copilot Cowork und die Work IQ API, also die Programmierschnittstelle, über die eigene Anwendungen auf dieselben Dienste zugreifen. Was Sie in Word, Excel oder Outlook aus Ihrer Copilot-Lizenz heraus nutzen, bleibt davon unberührt.

Copilot Cowork setzt zudem eine Copilot-Nutzerlizenz voraus. Die Verbrauchsabrechnung tritt also neben die Lizenz, nicht an ihre Stelle. Wer den Dienst nutzen will, zahlt beides.

Warum hier keine Beispielrechnung steht

Was eine einzelne Aufgabe an Einheiten verbraucht, hängt laut Microsoft von vier Größen ab: vom verwendeten Modell, vom Umfang des Kontextabrufs, von der Zahl der Werkzeugaufrufe und von der Laufzeit. Dieselbe Frage kann also unterschiedlich viel kosten, je nachdem, wie viele Dokumente der Agent heranzieht und wie lange er arbeitet.

Deshalb finden Sie in diesem Beitrag bewusst keine Hochrechnung auf einen Monatsbetrag. Belegt ist der Preis je Einheit — 0,01 US-Dollar, von Microsoft in US-Dollar ausgewiesen, hier nicht in Euro umgerechnet. Was daraus in Ihrem Betrieb wird, hängt an den vier Größen oben; jede Zahl, die wir Ihnen hier nennen würden, wäre geraten. Genau darin liegt aber der praktische Punkt: Eine Position, deren Höhe sich vorab nicht seriös beziffern lässt, braucht einen Deckel.

Der Dienst ist standardmäßig aus — das ist die gute Nachricht

Microsoft liefert Copilot Cowork deaktiviert aus. Eingeschaltet wird er durch eine Entscheidung der Administration in Ihrem Mandanten, also in Ihrem eigenen Bereich der Microsoft-Cloud. Für Sie heißt das: Die erste Frage lautet nicht „wie teuer wird das", sondern „steht der Schalter bei uns überhaupt auf an".

Diese Frage lässt sich beantworten, statt sie zu vermuten. Wer Copilot-Lizenzen im Haus hat, sollte den Stand kennen — und ihn mit Datum festhalten. Der Satz „am 4. September 2026 stand der Dienst auf aus" ist in einem halben Jahr mehr wert als die Erinnerung daran.

Die Ausgabengrenze gehört vor die erste Aufgabe

Für die Kostenseite beschreibt Microsoft einen eigenen Bereich zur Kostenverwaltung im Microsoft-365-Admin-Center. Die zugehörige Dokumentationsseite trägt den Stand 21. August 2026 und wurde am 3. September 2026 aktualisiert. Sie nennt drei Werkzeuge:

  • Budgets — ein Betrag, der einem Bereich oder einer Gruppe zugeordnet wird.
  • Benachrichtigungen — Meldungen, wenn der Verbrauch sich der gesetzten Marke nähert.
  • Harte Obergrenzen — der Punkt, an dem die verbrauchsabhängige Nutzung endet, statt weiterzulaufen.

Die Unterscheidung zwischen dem zweiten und dem dritten Werkzeug ist der ganze Punkt. Eine Benachrichtigung erreicht Sie, während etwas läuft — im Zweifel freitagabends. Eine harte Obergrenze sorgt dafür, dass es aufhört. Beides wirkt nur, wenn es eingetragen ist, bevor die erste Aufgabe startet: Eine bereits entstandene Rechnung lässt sich nachträglich nicht deckeln.

Das ist Arbeit von Minuten, und sie ist der einzige wirksame Schutz gegen eine Position, deren Höhe Sie sonst erst mit der Abrechnung erfahren.

Vorher rechnen statt hinterher nachsehen

Für die Planung stellt Microsoft einen Schätzer bereit, den Customer Cowork Estimator. Damit lässt sich der Verbrauch für die geplante Nutzung modellieren, bevor sie stattfindet. Dieses Werkzeug gehört in die Entscheidung, ob der Dienst eingeschaltet wird — nicht in die Nachschau, wenn die erste Abrechnung im Haus ist.

Ein sinnvoller Zwischenschritt ist der begrenzte Versuch: Dienst einschalten, Obergrenze niedrig setzen, eine überschaubare Zahl echter Aufgaben laufen lassen und danach im Kostenbereich ablesen, was tatsächlich verbraucht wurde. Aus dieser eigenen Messung wird eine belastbare Größe für Ihren Betrieb — und die ist mehr wert als jede fremde Beispielrechnung.

Was das für unseren Beitrag vom 13. Juni 2026 bedeutet

In „Microsoft 365 Copilot wird feste Business-Lizenz" vom 13. Juni 2026 haben wir geschrieben, die feste Lizenz bringe planbare, stabile Lizenzkosten. Das gilt weiterhin — für die Lizenz. Für die gesamte Copilot-Rechnung gilt es seit dem 16. Juni 2026 nicht mehr uneingeschränkt: Die Nutzerlizenz ist die Eintrittskarte, die Agentennutzung steht verbrauchsabhängig daneben. Wir halten das hier ausdrücklich fest, statt die frühere Aussage stillschweigend zu ersetzen.

Ein Nebenbefund zum eingeschalteten Dienst

Am Patchday des 11. August 2026 hat Microsoft in Copilot Cowork eine Schwachstelle geschlossen: CVE-2026-59118, bewertet mit CVSS 9.3, eine fehlerhafte Autorisierung, über die sich Rechte über das Netz ausweiten ließen. Behoben wurde sie herstellerseitig; eine Kundenaktion war nach Microsofts Angabe nicht nötig — es gab für Sie nichts zu patchen.

Daraus folgt keine Warnung, sondern eine schlichte Feststellung: Ein Dienst, den Sie nicht eingeschaltet haben, hat weder eine Angriffsfläche noch eine Rechnung. Das Einschalten ist eine bewusste Entscheidung — und sie darf ohne Weiteres für den Dienst ausfallen, wenn der Nutzen absehbar ist.

Was jetzt zu tun ist

  • Nachsehen, ob Copilot Cowork in Ihrem Mandanten aktiv ist. Ohne Copilot-Lizenzen im Haus erübrigt sich der Rest.
  • Wenn der Dienst aus ist und aus bleiben soll: Zustand mit Datum notieren, fertig. Kein Verbrauch, keine Rechnung.
  • Wenn er an ist oder eingeschaltet werden soll: zuerst ein Budget und eine harte Obergrenze im Kostenbereich des Microsoft-365-Admin-Centers eintragen, danach den Dienst freigeben — in dieser Reihenfolge.
  • Den erwarteten Verbrauch vorher modellieren, mit dem Schätzer von Microsoft und für die Aufgaben, die Sie tatsächlich vorhaben.
  • Zuständigkeit klären: Wer darf den Dienst einschalten, wer sieht die Verbrauchszahlen an, und wie oft? Eine Obergrenze ohne jemanden, der sie im Blick behält, ist nur die halbe Antwort.

Die Produktbezeichnungen führt Microsoft durchgehend englisch — Copilot Cowork, Work IQ API, Copilot Credits. Je nach Spracheinstellung Ihres Mandanten können die Beschriftungen in der Oberfläche abweichen; suchen Sie im Zweifel nach den englischen Begriffen.

Falls Sie den Stand in Ihrem Mandanten nicht selbst ablesen möchten: Wir sehen nach, tragen die Grenzen ein und halten fest, was am Stichtag gesetzt war. In vielen kleinen Betrieben endet das mit dem Ergebnis, dass gar nichts eingeschaltet ist — und auch dieses Ergebnis ist eine Information, die schriftlich mehr wert ist als im Kopf.

Stand dieses Beitrags: 4. September 2026. Grundlage sind Microsofts eigene Angaben zur Verfügbarkeit von Copilot Cowork vom 16. Juni 2026 und die Verwaltungsdokumentation zur verbrauchsabhängigen Abrechnung mit dem Stand 21. August 2026, zuletzt aktualisiert am 3. September 2026.