Ein Programm, das niemand sieht, und ein festes Datum
Stellen Sie sich ein Büro mit zwanzig Arbeitsplätzen vor. Im Serverschrank steht ein Windows-Server, an dem sich alle morgens anmelden. Mit demselben Benutzernamen öffnen die Mitarbeitenden später ihr Microsoft-365-Postfach. Dahinter kann ein unscheinbares Programm auf dem Server stecken: Microsoft Entra Connect, früher unter dem Namen Azure AD Connect bekannt. Es gleicht die Benutzerkonten aus dem lokalen Verzeichnis, also der Benutzerverwaltung auf dem eigenen Server, mit Microsoft 365 ab.
Wer so ein Programm einmal eingerichtet hat, denkt danach selten daran. Genau das kann im Herbst 2026 zum Problem werden. Microsoft kündigt an, dass alle Synchronisationsdienste von Microsoft Entra Connect Sync am 30. September 2026 aufhören zu arbeiten, wenn nicht mindestens Version 2.5.79.0 installiert ist.
Wer die Frist verpasst, bleibt laut Microsoft ohne Abgleich, bis auf die neueste Version aktualisiert wurde. Bis dahin fallen alle Synchronisationsdienste aus. Als Grund nennt Microsoft eine Änderung an den eigenen Cloud-Diensten, die diese besser absichert.
Dieser Artikel zeigt, woran Sie erkennen, ob Sie betroffen sind, was Sie Ihren IT-Dienstleister fragen sollten und warum das Minimum nicht das richtige Ziel ist: Für Version 2.5.79.0 endet der Support laut Microsoft bereits am 23. Oktober 2026.
Was ein Stopp im Alltag bedeuten würde
Microsoft selbst sagt nur, dass die Synchronisationsdienste aufhören zu arbeiten. Was das im Betrieb heißt, ist unsere Folgerung, keine Aussage von Microsoft: Steht der Abgleich still, kommen Änderungen im lokalen Verzeichnis nicht mehr in Microsoft 365 an.
Legt die Verwaltung etwa ein Konto für eine neue Mitarbeiterin an, fehlt es in der Cloud. Sperrt sie das Konto eines ausgeschiedenen Mitarbeiters auf dem Server, kommt diese Sperre in Microsoft 365 nicht an. Das zweite Beispiel ist das unangenehmere. Dann bleibt womöglich ein Zugang offen, den alle für geschlossen halten.
Betrifft das Ihren Betrieb?
Betroffen ist, wer Microsoft Entra Connect Sync betreibt. Ob das bei Ihnen so ist, sieht man von außen nicht. Als Geschäftsführung stehen Sie selten selbst an der Serverkonsole. Hinweise darauf sind:
- Im Betrieb steht ein eigener Windows-Server, über den die Anmeldung an den Arbeitsplätzen läuft.
- Die Mitarbeitenden nutzen Microsoft 365 mit denselben Zugangsdaten wie am Arbeitsplatz-PC.
- Bei der Einrichtung von Microsoft 365 war von einer Synchronisation oder von „Azure AD Connect“ die Rede.
Läuft bei Ihnen kein Microsoft Entra Connect, betrifft Sie dieser Stichtag nicht. Die sichere Antwort gibt aber nur ein Blick auf den Server.
Ist ein externer Dienstleister für Ihre IT zuständig, reichen fünf Fragen:
- Läuft bei uns Microsoft Entra Connect Sync, und auf welchem Server?
- Welche Version ist genau installiert?
- Ist die automatische Aktualisierung eingeschaltet, und welchen Zustand meldet sie?
- Wann wird auf die neueste Version aktualisiert, und ist das vor dem 30. September 2026 erledigt?
- Auf welcher Windows-Server-Version läuft das Programm?
Eine brauchbare Antwort enthält eine vollständige Versionsnummer wie 2.6.91.0, nicht nur ein „ist aktuell“.
Wie die Prüfung abläuft
Die installierte Version lässt sich direkt auf dem Server ablesen. Ihr Administrator weiß, wo. Einen Klickpfad nennen wir hier bewusst nicht, weil wir ihn in den geprüften Microsoft-Unterlagen nicht beschrieben gefunden haben.
Für den Zustand der automatischen Aktualisierung nennt Microsoft einen PowerShell-Befehl, also ein Kommando für die Windows-Befehlszeile: Get-ADSyncAutoUpgrade. Er meldet einen von drei Zuständen: Enabled (eingeschaltet), Suspended (ausgesetzt) oder Disabled (ausgeschaltet).
Mit der Versionsnummer in der Hand ergibt sich die Lage aus Microsofts Versionstabelle, Stand 16. September 2026:
- Unter 2.5.79.0: Diese Versionen haben keinen Support mehr. Die letzte davon, 2.5.76.0, lief am 1. September 2026 aus. Laut Microsoft stoppt hier am 30. September 2026 der Abgleich.
- 2.5.79.0: erfüllt das Minimum, der Support endet aber am 23. Oktober 2026.
- 2.5.190.0: Support bis 2. Februar 2027.
- 2.6.1.0, 2.6.3.0 und 2.6.84.0: Support bis 10. März 2027, 7. Juli 2027 beziehungsweise 16. September 2027.
- 2.6.91.0: die neueste Version, erschienen am 16. September 2026, in der Tabelle ohne Enddatum.
Version 2.6.79.0 hat Microsoft zurückgezogen, sie steht nicht mehr zum Download bereit.
Der 30. September 2026 ist also nicht das Supportende. Wer unter 2.5.79.0 liegt, ist spätestens seit dem 1. September 2026 ohne Support. Der 30. September 2026 ist der Tag, an dem laut Microsoft zusätzlich der Abgleich stoppt.
Warum das Minimum das falsche Ziel ist
Naheliegend wäre, gerade so auf 2.5.79.0 zu heben. Davon raten wir ab, und die Gründe liefert Microsoft selbst:
- Kurze Laufzeit: Für 2.5.79.0 endet der Support am 23. Oktober 2026, also 23 Tage nach dem Stichtag. Microsoft lässt jede Version der Reihe 2.x zwölf Monate nach Erscheinen einer neueren Version auslaufen.
- Bekannter Fehler: Für 2.5.79.0 und 2.5.190.0 warnt Microsoft davor, die Oberfläche Synchronization Service Manager zu benutzen. Sonst können der Einrichtungsassistent und die automatische Erneuerung von Zertifikaten scheitern. Behoben ist das erst ab Version 2.6.1.0.
- Sicherheitskorrekturen: Zu 2.6.91.0 schreibt Microsoft, die Version enthalte Sicherheitskorrekturen, und empfiehlt das Update „so bald wie möglich“.
Das Supportende am 23. Oktober 2026 ist kein angekündigter Abschalttermin. Microsoft warnt aber, eine ausgelaufene Version könne unerwartet aufhören zu funktionieren. Wer ohnehin einen Termin für das Update ansetzt, erspart sich mit der neuesten Version den zweiten Termin vor dem 23. Oktober 2026.
Mit Stand 16. September 2026 ist das die Version 2.6.91.0. Danach können neuere Versionen erschienen sein. Ihr Dienstleister sollte deshalb vor dem Update in Microsofts Versionshistorie nachsehen.
Die automatische Aktualisierung ist keine Garantie
Microsoft Entra Connect kann sich selbst aktualisieren. Für diesen Stichtag sollten Sie sich darauf nicht verlassen. Microsoft dokumentiert die Gründe selbst:
- Standardmäßig eingeschaltet ist die Funktion nur bei Express-Installationen, also der schnellen Einrichtung mit Microsofts Vorgaben, und bei Upgrades von DirSync, einem älteren Abgleichwerkzeug von Microsoft.
- Nicht jede Konfiguration ist dafür geeignet. Ausgeschlossen sind laut Microsoft zum Beispiel Installationen, die keine SQL Server Express LocalDB, eine schlanke Datenbankvariante von Microsoft, als Datenbank nutzen, Installationen mit einer lokalen Datenbank ab 8 GB und Server mit einer TLS-Version unter 1.2. TLS ist das Verfahren, mit dem Verbindungen verschlüsselt werden.
- Nicht jede Version wird automatisch verteilt.
- Version 2.6.91.0 steht laut Microsoft mit Stand 16. September 2026 nur zum Download bereit. Die letzte Version, die laut Versionshistorie automatisch verteilt wird, ist 2.6.3.0. Diese Verteilung sollte laut Microsoft am 11. März 2026 beginnen und in mehreren Phasen erfolgen.
Ob die automatische Aktualisierung in Ihrem Fall gegriffen hat, zeigt nur die Versionsnummer auf dem Server.
Worauf es beim Update ankommt
- Nur eine Bezugsquelle: Die Installationsdatei gibt es laut Microsoft ausschließlich im Microsoft Entra Admin Center, dem Verwaltungsportal von Microsoft Entra. Downloads von anderen Seiten sind keine Alternative.
- Voraussetzungen: Microsoft nennt als Mindestanforderung unter anderem .NET Framework 4.7.2, eine Laufzeitumgebung von Microsoft für Windows-Programme, und TLS 1.2. Seit Version 2.0 werden TLS 1.0 und 1.1 nicht mehr unterstützt. Ist TLS 1.2 nicht eingeschaltet, schlägt die Installation fehl.
- Der Server selbst: Microsoft empfiehlt Windows Server 2025 oder Windows Server 2022. Ältere Versionen, die sich im erweiterten Support befinden, sind möglich. Der Support für diese Konstellation kann aber ein kostenpflichtiges Support-Programm erfordern.
- Ausgeschlossene Systeme: Nicht installierbar ist Microsoft Entra Connect auf Small Business Server und auf Windows Server Essentials vor 2019; Windows Server Essentials 2019 wird unterstützt. Ebenfalls nicht unterstützt ist Windows Server Core, die Variante ohne grafische Oberfläche.
- Schutzbedarf: Microsoft verlangt, den Server mit Entra Connect als Tier-0-Komponente zu behandeln, also in der höchsten Schutzstufe.
Stellt sich bei der Prüfung heraus, dass der Server selbst nicht mehr passt, wird aus dem Update ein größeres Vorhaben. Deshalb lohnt sich die Bestandsaufnahme vor dem Update, nicht erst am 29. September 2026.
Ein Ausblick: Cloud Sync
Seit Version 2.6.91.0 bietet Microsoft einen geführten Umstieg von Microsoft Entra Connect Sync auf Microsoft Entra Cloud Sync an, laut Microsoft nur für die öffentliche Azure-Cloud, also Microsofts allgemein zugängliche Cloud-Plattform. Wir erwähnen das als Ausblick, nicht als Empfehlung. Ob ein solcher Wechsel zu Ihrem Betrieb passt, ist eine eigene Frage. Für den 30. September 2026 zählt die installierte Version von Microsoft Entra Connect Sync.
Was offen ist
- Ein Widerspruch bei Microsoft: Im Hinweis zum Stichtag schreibt Microsoft, Version 2.5.79.0 sei im Mai 2025 erschienen. Die Versionstabelle derselben Seite nennt als Erscheinungsdatum den 1. September 2025; im Mai 2025 erschien laut Tabelle Version 2.5.3.0. Welche Angabe stimmt, lässt sich aus den Unterlagen nicht klären. Für den Stichtag spielt es keine Rolle.
- Was genau nach dem 30. September 2026 passiert: Microsoft sagt nur, dass alle Synchronisationsdienste aufhören. Die Beispiele oben sind unsere Folgerung.
- Was mit 2.5.79.0 nach dem 23. Oktober 2026 geschieht: Microsoft nennt ein Supportende und warnt, ausgelaufene Versionen könnten unerwartet ausfallen. Einen festen Abschalttermin nennt Microsoft nicht.
- Automatische Verteilung von 2.6.91.0: Mit Stand 16. September 2026 gibt es die Version nur als Download. Ob und wann sie automatisch verteilt wird, ist offen.
- .NET-Voraussetzungen: Microsoft nennt an verschiedenen Stellen seiner Unterlagen unterschiedliche .NET-Versionen. Wir geben nur den Wert aus Microsofts Hinweis zum Stichtag wieder. Ihr Dienstleister sollte die Voraussetzungen vor dem Update auf dem Server prüfen.
Wie wir helfen
Sie wissen nicht, ob in Ihrem Betrieb Microsoft Entra Connect läuft oder in welcher Version? Wir prüfen das für Sie und übernehmen auf Wunsch das Update. Sprechen Sie uns an.
