Ein Gem für Angebote, eines für Kundenmails
Nehmen wir an, die Bürokraft eines Malerbetriebs hat sich in der Gemini-App ein Gem eingerichtet, das aus ihren Stichworten einen Angebotstext formuliert. Ein zweites Gem fasst lange Kundenmails zusammen, ein drittes hilft bei der monatlichen Auswertung der Aufträge. Jedes dieser Gems besteht aus einem Namen, einer kurzen Beschreibung, den Anweisungen an Gemini und manchmal aus hinterlegten Dateien, etwa einer Preisliste.
Am 30. September 2026 hat Google im Blog „Google Workspace Updates“ angekündigt, dass Gems in dieser Form auslaufen. An ihre Stelle treten sogenannte Skills. Für Business- und Enterprise-Konten nennt Google als Ende der Gems einen Termin, der frühestens am 1. März 2027 liegt. Bis dahin bleibt Zeit. Es lohnt sich trotzdem, vorher zu wissen, welche Gems im Haus genutzt werden.
Dieser Artikel klärt, ob Ihr Betrieb betroffen ist, was mit vorhandenen Gems geschieht und was Sie sichern und mit Ihrem Administrator besprechen sollten. Grundlage sind Googles Beitrag vom 30. September 2026 sowie je eine Hilfeseite für Nutzer und für Administratoren, abgerufen am 1. Oktober 2026.
Was Google unter Skills versteht
Google beschreibt Skills als wiederverwendbare, selbst angelegte Anweisungen, die Sie immer dann nutzen können, wenn Sie Gemini in der Gemini-App oder in den meisten Workspace-Apps eine Aufgabe geben. Das ähnelt dem, wofür der gedachte Malerbetrieb vom Anfang seine Gems nutzt.
Technisch baut Google Skills nach eigener Angabe vollständig auf dem offenen Standard SKILL.md auf. Dieser Standard beruht auf Markdown, einem schlichten Textformat.
Eine Einschränkung nennt Google ausdrücklich, und sie ist für den Alltag wichtig: Skills in der Gemini-App und Skills in den Workspace-Apps synchronisieren sich nicht, so der Stand vom 30. September 2026. Wer denselben Skill an beiden Stellen nutzen will, muss ihn an jeder Stelle getrennt anlegen. Es sind also zwei getrennte Welten.
Wann Skills ankommen sollen
Google verteilt Skills schrittweise und plant den Beginn ab dem 5. Oktober 2026 (Rapid Release) bzw. 19. Oktober 2026 (Scheduled Release), in der Gemini-App ab dem 13. Oktober 2026. Rapid Release und Scheduled Release sind zwei Freigabewege in Google Workspace. Welcher davon für Ihre Organisation gilt, weiß Ihr Administrator.
| Bereich | Geplanter Beginn | Erwarteter Abschluss |
|---|---|---|
| Workspace, Rapid Release | 5. Oktober 2026 | bis 12. Oktober 2026 |
| Workspace, Scheduled Release | 19. Oktober 2026 | bis Mitte November 2026 |
| Gemini-App | 13. Oktober 2026 | bis Mitte November 2026 |
Das sind Planangaben von Google. Ob Skills in Ihrem Konto an einem bestimmten Tag schon sichtbar sind, lässt sich daraus nicht ablesen.
Betrifft das Ihren Betrieb?
Zwei Fragen sind zu trennen: Wer bekommt Skills, und wessen Gems laufen aus?
Skills in der Gemini-App stehen laut Google allen Google-Workspace-Kunden und allen Nutzern mit privatem Google-Konto zur Verfügung. Eine Admin-Seite von Google schränkt zugleich ein: „Skills are only available to customers enrolled in the Gemini Beta program.“ (Skills gibt es danach nur für Kunden im Beta-Programm von Gemini.) Für welche der beiden Stellen das gilt, sagt die Seite nicht. Für Skills in den Workspace-Apps nennt Google im Beitrag vom 30. September 2026 diese Editionen und Zusatzpakete:
- Business Starter, Business Standard und Business Plus
- Enterprise Starter, Enterprise Standard und Enterprise Plus
- das Zusatzpaket Google AI Pro for Education
- das Zusatzpaket AI Expanded Access
Ein Vorbehalt bei Enterprise Starter: Die Google-Hilfe für Administratoren nennt in der am 1. Oktober 2026 abgerufenen Fassung bei den Enterprise-Editionen nur Enterprise Standard und Enterprise Plus. Die beiden Google-Quellen widersprechen sich an dieser Stelle. Wer Enterprise Starter nutzt, lässt sich von seinem Administrator bestätigen, ob Skills in den Workspace-Apps bei ihm verfügbar sind.
Dazu kommt eine Altersgrenze. Google schreibt wörtlich: „skills in Workspace are available only to users over age 18; skills in the Gemini app will be available to users of all ages“. Auf Deutsch: Skills in Workspace gibt es nur für Nutzer über 18 Jahre, Skills in der Gemini-App für Nutzer jeden Alters.
Und die Gems? Das Ende frühestens am 1. März 2027 nennt Google für Business- und Enterprise-Konten. Wer in einem solchen Workspace-Konto Gems angelegt hat, ist betroffen. Wer keine Gems nutzt, muss bei den Gems nichts tun und kann die Skills ausprobieren, sobald sie im Konto erscheinen.
Was mit Gems geschieht
Für die Gems selbst nennt Google mehrere Schritte:
| Zeitpunkt | Was laut Google geschieht |
|---|---|
| Stand der Ankündigung vom 30. September 2026 | Gems lassen sich in der Gemini-App weiter anlegen und nutzen. Neue Abläufe in Google Workspace Studio mit dem Schritt „Ask a Gem“ lassen sich nicht mehr anlegen, bestehende Abläufe laufen bis zum Ende der Gems weiter. |
| 17. November 2026 | Gems ziehen in der Gemini-App in den Bereich Einstellungen um. Anlegen, Bearbeiten und Nutzen bleiben möglich. |
| frühestens 1. März 2027 (Business und Enterprise) | Gems lassen sich nicht mehr anlegen, bearbeiten oder nutzen und verschwinden aus den Einstellungen. Abläufe in Workspace Studio mit dem Schritt „Ask a Gem“ funktionieren nicht mehr. |
| frühestens 1. Juni 2027 (Bildung) | Dasselbe gilt für Konten aus dem Bildungsbereich. |
Bei den beiden letzten Terminen schreibt Google „No sooner than“, also „nicht vor“. Das ist kein fester Stichtag: Früher wird es nicht, später kann es werden.
Die Google-Hilfe für Nutzer führt beim Termin im März 2027 zusätzlich Non-Profit-Konten auf. Für private Google-Konten nennt sie einen eigenen Zeitpunkt, November 2026. Dieser Artikel behandelt Workspace-Konten von Betrieben. Wer im Betrieb Gems mit einem privaten Google-Konto nutzt, nimmt diese Gems in die Bestandsaufnahme weiter unten mit auf.
Die automatische Umstellung
Für Gems, die bis zum Ende noch bestehen, kündigt Google an: Verbliebene Gems in der Gemini-App werden automatisch zu Skill-Entwürfen („draft skills“) in der Gemini-App. Details zu dieser automatischen Umstellung will Google den Administratoren mindestens 30 Tage vorher mitteilen.
Die Google-Hilfe für Administratoren (Stand 30. September 2026) wird genauer: Umgestellte Gems stehen als inaktive Entwürfe in der Skill-Liste ihrer Ersteller. Diese müssen jeden Entwurf prüfen und aktivieren, bevor er sich nutzen oder teilen lässt. Ohne die Ersteller wird aus den Entwürfen also kein nutzbarer Skill. Erhalten bleiben Name, Beschreibung, Anweisungen, Wissensdateien und Freigaben in Google Drive. Bei den Dateien spricht die Hilfe für Nutzer einschränkend von unterstützten Dateien.
Der Weg von Hand
Sie müssen nicht auf die automatische Umstellung warten. Laut Google können Sie Gems in der Gemini-App von Hand als Skills neu anlegen. Die Hilfeseite für Nutzer beschreibt dafür diese Schritte:
- Das Gem öffnen und die hinterlegten Wissensdateien herunterladen. Laut Google geht das nur einzeln, Datei für Datei, auf Ihr Gerät.
- Einen neuen Skill anlegen und Name, Beschreibung und Anweisungen aus dem Gem übernehmen.
- Die heruntergeladenen Dateien hochladen. Das geht laut Google für alle Dateien gemeinsam in einem Schritt.
Was Sie tun können
Google empfiehlt Administratoren auf seiner Hilfeseite vier Schritte: Nutzer informieren, zur frühen Nutzung der Skills ermutigen, wichtige Gems neu aufbauen und Abläufe in Google Workspace Studio aktualisieren. Für einen kleinen Betrieb lässt sich daraus eine kurze Liste machen:
- Bestandsaufnahme machen. Fragen Sie im Team, wer Gems nutzt, wofür und wer sie angelegt hat. Eine einfache Tabelle reicht.
- Inhalte sichern. Kopieren Sie für jedes wichtige Gem Name, Beschreibung und Anweisungen in ein Dokument und laden Sie die hinterlegten Dateien herunter. Dann haben Sie alles beisammen, egal ob Sie von Hand umziehen oder die automatische Umstellung abwarten.
- Wichtige Gems als Skill neu anlegen und testen, sobald Skills in Ihrem Konto erscheinen. Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem, was das Gem geliefert hat. Wer den Skill in der Gemini-App und in den Workspace-Apps braucht, legt ihn an beiden Stellen an.
- Abläufe in Google Workspace Studio prüfen. Gibt es Abläufe mit dem Schritt „Ask a Gem“? Neue lassen sich nicht mehr anlegen, bestehende funktionieren laut Google nicht mehr, sobald die Gems enden.
- Das Team informieren. Wer weiß, dass Gems am 17. November 2026 in die Einstellungen umziehen sollen, sucht sie dort und nicht vergeblich an der gewohnten Stelle.
Bestandsaufnahme und Sicherung hängen an keinem Termin von Google. Beides lässt sich erledigen, bevor Skills in Ihrem Konto erscheinen.
Was Sie Ihren Administrator oder IT-Dienstleister fragen
Oft ist die Geschäftsführung nicht selbst der Admin. Diese Fragen helfen im Gespräch:
- Welcher Freigabeweg gilt bei uns, Rapid Release oder Scheduled Release? Davon hängt ab, ab wann Skills bei uns geplant sind.
- Welche Workspace-Edition haben wir? Bei Enterprise Starter: Sind Skills in den Workspace-Apps bei uns verfügbar?
- Wie ist bei uns die Einstellung „Allow people to use skills in Studio and Gemini in Workspace“ gesetzt? Diesen Namen nennt die Google-Hilfe für Administratoren.
- Nutzen wir Abläufe in Google Workspace Studio mit dem Schritt „Ask a Gem“, und wer kümmert sich um sie?
- Hat Google die angekündigten Details zur automatischen Umstellung geschickt, und was steht darin?
Was offen ist
Einiges lässt sich am 1. Oktober 2026 nicht abschließend sagen:
- Die Termine sind Planungen. Für Skills nennt Google einen geplanten Beginn und einen erwarteten Abschluss. Das Ende der Gems kommt frühestens am 1. März 2027, ein fester Stichtag ist das nicht.
- Weitere Details zur automatischen Umstellung stehen aus. Google will sie den Administratoren mindestens 30 Tage vorher mitteilen. Bis dahin gilt die Hilfe für Administratoren mit Stand vom 30. September 2026.
- Enterprise Starter ist widersprüchlich angegeben. Der Beitrag vom 30. September 2026 nennt die Edition, die Hilfe für Administratoren in der am 1. Oktober 2026 abgerufenen Fassung nicht.
- Beta-Vorbehalt. Ob er für die Gemini-App, für die Workspace-Apps oder für beide gilt, sagen die Quellen nicht.
- Die Kosten der Zusatzpakete. Einen Preis für Google AI Pro for Education und AI Expanded Access nennen die Quellen dieses Artikels nicht.
- Google kann nachsteuern. Maßgeblich ist, was Google auf den unten genannten Seiten zum jeweiligen Zeitpunkt veröffentlicht.
Unterm Strich
Wer Gems nutzt, muss nichts überstürzen. Mit einer Liste der genutzten Gems und einer Sicherung ihrer Anweisungen und Dateien haben Sie die Inhalte in der Hand, wie auch immer die automatische Umstellung im Detail aussieht. Wenn Sie klären wollen, wo Skills in Ihren Arbeitsabläufen Nutzen bringen, sprechen Sie uns an.
