Ein neuer Name für ein bekanntes Angebot

Wer in diesen Wochen die Microsoft-Dokumentation zu Copilot öffnet, findet dort einen Hinweis, der auf den ersten Blick nach Kosmetik aussieht: Microsoft 365 Copilot heißt jetzt Microsoft Copilot, und Microsoft 365 Copilot Chat heißt jetzt Microsoft Copilot Chat. Für Organisationen ändere sich nichts an Sicherheit, Compliance und Datenschutz — so steht es in derselben Zeile.

Ein Name ist kein Etikett, sobald er im Angebot, auf der Rechnung, in der internen Richtlinie und im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten steht. Genau dort steht er in kleinen Betrieben. Dieser Beitrag ordnet die neuen Bezeichnungen den alten zu, benennt eine Unklarheit, die Microsoft bislang offen lässt, und nennt die drei Dinge, die Sie deshalb tatsächlich anfassen sollten.

Alte und neue Bezeichnung nebeneinander

Die Zuordnung ist einfach: Der Zusatz „365" fällt weg, das Angebot dahinter bleibt dasselbe.

  • Microsoft 365 Copilot heißt jetzt Microsoft Copilot. Gemeint ist das lizenzpflichtige Gesamtangebot, nicht eine einzelne Funktion.
  • Microsoft 365 Copilot Chat heißt jetzt Microsoft Copilot Chat. Auch hier entfällt allein der Zusatz.
  • Microsoft 365 Copilot Business heißt jetzt Microsoft Copilot Business. Das ist die Stufe, die in kleineren Organisationen zum Einsatz kommt — und die Bezeichnung, bei der eine Ungenauigkeit am schnellsten teuer wird, weil sie im Angebot steht.

Nicht abgedeckt sind damit die Tarifnamen. Ob „Microsoft 365 Business Standard with Copilot" und „Microsoft 365 Business Premium with Copilot" ebenfalls umbenannt werden, sagt die Dokumentation nicht, und uns liegt dazu nichts vor. Das ist ausgerechnet die Schreibweise, die bei vielen Betrieben auf der Rechnung steht: Fragen Sie im Zweifel Ihren Lizenzpartner, bevor Sie diese Bezeichnung in Ihren Unterlagen ändern.

Microsoft schreibt in derselben Passage ausdrücklich, dass sich für Organisationen an Sicherheit, Compliance und Datenschutz nichts ändert. Diese Aussage geben wir wieder, ohne sie zu bewerten; geprüft haben wir sie nicht.

Den Stichtag nennt Microsoft nicht

Auffällig ist, was in dieser Ankündigung fehlt. Für die Umbenennung selbst nennt Microsoft an keiner Stelle ein Datum — weder in der Produktdokumentation noch in den Hinweisen zu den App- und Netzwerkanforderungen. Der Name ist gewechselt, ein Termin dafür steht nirgends.

Hinzu kommt ein Widerspruch, den wir hier nicht auflösen können. Die Support-Seite für Endnutzer beschreibt die Sache anders als die Dokumentation für Administratoren: Dort behält die App ihren Namen und bekommt lediglich ein neues Symbol. Beide Seiten stammen von Microsoft, beide waren am 19. August 2026 abrufbar, und sie sagen nicht dasselbe.

Für die Praxis heißt das: Planen Sie nicht auf einen Termin hin. Was in Ihrem Mandanten und auf den Geräten Ihrer Beschäftigten steht, sehen Sie dort — nicht in einem Ankündigungstext. Und wenn Ihnen die alte und die neue Bezeichnung in derselben Woche begegnen, ist das kein Fehler auf Ihrer Seite.

Das eine Datum, das belegt ist

Ein Datum nennt Microsoft ausdrücklich, und es gehört nicht zur Umbenennung: Ab dem 18. August 2026 entfallen drei Funktionen aus dem Verbraucherbereich — Podcasts, Group Chat und Deep Research. Wer diese Funktionen privat genutzt hat, findet sie ab diesem Tag nicht mehr vor. Mit dem Namenswechsel hat das nichts zu tun, auch wenn beides zeitlich zusammenfällt.

Eine Adresse, die erreichbar bleiben muss

Der technisch wichtigste Teil der Änderung steht nicht im Namen, sondern in den App- und Netzwerkanforderungen. Microsoft führt die private und die dienstliche App unter einer Adresse zusammen: copilot.cloud.microsoft. Diese Adresse muss aus Ihrem Netz erreichbar sein — Microsoft verlangt ausdrücklich, sie nicht zu sperren.

Das betrifft Sie, wenn in Ihrem Betrieb ein Proxy, eine Firewall mit Positivliste oder ein Web-Filter läuft — also in fast jedem Netz, das jemand einmal eingerichtet hat. Steht die Adresse dort nicht auf der erlaubten Seite, meldet sich das nicht als klare Fehlermeldung, sondern als Funktion, die bei manchen Beschäftigten einfach nicht auftaucht. Diese Art von Störung sucht man lange.

Privat oder dienstlich — eine Entscheidung, die Sie treffen sollten

Dass beide Welten unter einer Adresse liegen, wirft eine Frage auf, die vorher niemand stellen musste: Sollen sich Beschäftigte am Arbeitsplatz mit einem privaten Microsoft-Konto anmelden können? Die naheliegende Reaktion ist, die Adresse zu sperren. Genau davon rät Microsoft ab und verweist stattdessen auf die Funktion Tenant Restrictions, mit der sich der Zugang auf die eigene Organisation begrenzen lässt.

Der Unterschied ist praktisch, nicht theoretisch. Eine gesperrte Adresse nimmt beides weg, das private und das dienstliche; die Beschränkung auf den eigenen Mandanten lässt das dienstliche Arbeiten unberührt und schließt nur das private Konto aus. Wichtig ist vor allem, dass die Entscheidung bewusst fällt und dokumentiert ist — statt nebenbei durch einen Eintrag in der Firewall, an den sich in einem Jahr niemand erinnert.

Drei Dinge, die jetzt anzufassen sind

  • Die Lizenzbezeichnung in Ihren Unterlagen. Angebot, Rechnung, interne Richtlinie, Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und die Betriebsvereinbarung, falls es eine gibt: Überall dort steht die alte Bezeichnung. Ziehen Sie sie beim nächsten ohnehin fälligen Durchgang nach, mit einem kurzen Vermerk, dass es sich um dasselbe Angebot handelt — die Tarifnamen mit dem Zusatz „with Copilot" dabei ausgenommen, solange dazu nichts vorliegt.
  • Die Netzwerkfreigabe. Lassen Sie prüfen, ob copilot.cloud.microsoft in Firewall, Proxy und Web-Filter erreichbar ist. Das ist eine Frage von Minuten und erspart eine Fehlersuche, die keine ist.
  • Die Kontotrennung. Halten Sie fest, ob private Microsoft-Konten am Arbeitsplatz zulässig sind. Wenn nein, ist Tenant Restrictions der von Microsoft genannte Weg; wenn ja, gehört das in Ihre Regeln zur KI-Nutzung, damit klar ist, welche Inhalte wo eingegeben werden dürfen.

Wie das zu unseren anderen Copilot-Beiträgen passt

Zwei Beiträge in diesem Blog behandeln die Kaufentscheidung: Der eine erklärt, dass die KI-Unterstützung seit Juli 2026 fest in zwei Business-Tarifen steckt; der andere beschreibt den 30-Tage-Test für kleinere Organisationen. Hier geht es um etwas anderes — um die Bezeichnung, die Zusammenlegung der beiden Apps und die Trennung der Konten. Wer noch vor der Anschaffung steht, liest die beiden anderen; wer bereits nutzt, findet hier den Teil, der ihn betrifft.

Ältere Beiträge bei uns tragen an manchen Stellen noch die frühere Bezeichnung. Das ist keine andere Aussage, sondern derselbe Gegenstand unter dem Namen, der zum Zeitpunkt des Schreibens galt.

Unsere Einschätzung

Eine Umbenennung ist kein Projekt. Sie kostet eine halbe Stunde in den eigenen Unterlagen und einen Blick in die Netzwerkfreigaben. Ärgerlich ist nur, dass Microsoft den Wechsel ohne Termin vollzieht und die Auskunft für Endnutzer dabei nicht zur Dokumentation für Administratoren passt — verlassen Sie sich deshalb auf das, was Sie sehen, nicht auf das, was angekündigt wurde.

Die eigentliche Entscheidung steckt woanders: Dass die private und die dienstliche App nun am selben Ort liegen, macht aus einer Selbstverständlichkeit eine Frage. Wir helfen Ihnen, sie einmal sauber zu beantworten — die Freigabe im Netz zu prüfen, die Kontotrennung einzurichten, wenn Sie sie wollen, und die Bezeichnung in Ihren Unterlagen geradezuziehen, damit im nächsten Audit niemand nach einem Produkt sucht, das nur anders heißt.