Der erste Lohnlauf im Januar 2027

Im Januar 2027 rechnet Ihre Lohnbuchhaltung den ersten Monat mit neuen Werten ab. Zwei Zahlen ändern sich zum 1. Januar 2027: Der gesetzliche Mindestlohn steigt auf 14,60 Euro brutto je Zeitstunde, und die Grenze für Minijobs steigt auf 633 Euro im Monat. Seit 1. Januar 2026 liegen die Werte bei 13,90 Euro und 603 Euro.

Die Zahlen selbst sind schnell erzählt. Aufwendiger ist die Frage, wo sie in Ihrem Betrieb überall stecken. Ein Stundenlohn steht in den Stammdaten der Lohnsoftware, im Arbeitsvertrag, manchmal zusätzlich in einer Tabelle für den Dienstplan. Eine Minijob-Vereinbarung kann eine feste Stundenzahl oder einen festen Monatsbetrag nennen. Welche dieser Stellen sich zum Jahreswechsel anpassen und durch wen, hängt von Ihrer Software ab. Und von der Absprache mit Ihrer Kanzlei. Genau das lohnt sich bis Dezember 2026 zu klären.

Dieser Artikel gibt Ihnen dafür Prüffragen an die Hand. Er ersetzt keine Lohn-, Steuer- oder Rechtsberatung. Für Ihren Einzelfall sind Ihr Lohnbüro oder Ihre Steuerberatung zuständig.

Aktualisiert am 1. Oktober 2026: Im Abschnitt zur Krankenversicherungs-Pauschale haben wir ergänzt, dass der bisherige Pauschalbeitrag von 13 Prozent laut Minijob-Zentrale nur anfällt, wenn die Minijobberin oder der Minijobber gesetzlich krankenversichert ist, nicht bei privat Krankenversicherten. Diese Angabe beschreibt die bis zum 31. Dezember 2026 geltende Lage; ob die Bedingung ab 2027 unverändert gilt, konnten wir bis zum 1. Oktober 2026 nicht im Gesetzestext nachlesen.

Aktualisiert am 25. September 2026: Zum 1. Januar 2027 ändert sich per Gesetz auch der Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung, den Arbeitgeber für Minijobs außerhalb von Privathaushalten tragen. Wir haben dazu einen eigenen Abschnitt ergänzt und die Absätze zum Rahmen und zu den Quellen angepasst; die übrigen Aussagen geben weiterhin den Stand vom 18. September 2026 wieder.

Woher die Zahlen kommen

Beide Werte sind amtlich veröffentlicht, und zwar in zwei getrennten Schritten.

Den Mindestlohn legt die Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung vom 5. November 2025 fest, erschienen im Bundesgesetzblatt 2025 Teil I Nr. 268. Sie regelt zwei Stufen auf einmal: 13,90 Euro brutto je Zeitstunde ab 1. Januar 2026 und 14,60 Euro brutto je Zeitstunde ab 1. Januar 2027. In Kraft getreten ist die Verordnung am 1. Januar 2026. Die zweite Stufe ist damit bereits beschlossen und veröffentlicht.

Mit Datum vom 8. Dezember 2025 folgte eine Berichtigung, Bundesgesetzblatt 2025 Teil I Nr. 312. Falls Sie darauf stoßen: Sie korrigiert nur einen Tippfehler. Aus „Zeitsunde“ wurde „Zeitstunde“. Betrag und Datum bleiben unverändert.

Die Minijob-Grenze heißt im Gesetz Geringfügigkeitsgrenze und ist an den Mindestlohn gekoppelt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt sie im Bundesanzeiger bekannt. Die Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 7. November 2025, veröffentlicht am 20. November 2025, nennt 603 Euro seit 1. Januar 2026 und 633 Euro ab 1. Januar 2027.

Wichtig für Ihre Minijobber: Auch im Minijob gilt der gesetzliche Mindestlohn. Die Minijob-Zentrale sagt es ausdrücklich so, der Minijob ist beim Mindestlohn kein Sonderfall.

So rechnen Sie die Grenze selbst nach

Sie müssen die 633 Euro nicht einfach übernehmen. Sie können sie nachrechnen. Paragraf 8 Absatz 1a des Vierten Sozialgesetzbuchs (SGB IV) gibt den Rechenweg vor: Mindestlohn mal 130, geteilt durch drei, auf volle Euro aufgerundet.

Für 2027 heißt das: 14,60 Euro mal 130, geteilt durch 3, ergibt 632,67 Euro; das Gesetz rundet auf volle Euro auf, also 633 Euro.

Zur Kontrolle der Wert seit 1. Januar 2026: 13,90 Euro mal 130 ergibt 1.807 Euro. Geteilt durch 3 sind das 602,33 Euro, aufgerundet 603 Euro. Beide Ergebnisse stimmen mit der amtlichen Bekanntmachung überein.

Die Rechnung zeigt auch, warum die Grenze mit dem Mindestlohn wächst: Sie ist direkt aus ihm abgeleitet. Für Ihre Minijobs hat das eine praktische Folge.

Wie viele Stunden in einen Minijob passen

Die folgende Rechnung ist unsere eigene, keine amtliche Angabe. 633 Euro geteilt durch 14,60 Euro ergibt 43,36 Stunden. Wer genau den Mindestlohn bekommt, bleibt 2027 rechnerisch mit höchstens 43 vollen Stunden im Monat unter der Grenze. 43 Stunden zu 14,60 Euro sind 627,80 Euro. 44 Stunden ergäben 642,40 Euro und lägen darüber.

Seit 1. Januar 2026 sieht das Bild fast gleich aus: 603 Euro geteilt durch 13,90 Euro ergibt 43,38 Stunden.

Daraus folgt eine eher beruhigende Beobachtung. Die Grenze steigt im selben Verhältnis wie der Mindestlohn. Wer 2026 genau zum Mindestlohn arbeitet und unter der Grenze liegt, liegt bei gleicher Stundenzahl auch 2027 darunter. Bei Bezahlung zum Mindestlohn schiebt der Jahreswechsel einen Minijob also nicht von sich aus über die Grenze.

Genauer hinsehen sollten Sie in zwei Fällen:

  • Stundenzahlen knapp an der Grenze. Ein Minijob, der schon 2026 fast ausgereizt ist, lässt wenig Spielraum. Hier lohnt die Nachrechnung mit den Werten ab 1. Januar 2027.
  • Stundenlöhne über dem Mindestlohn, die zusätzlich erhöht werden. Wer Minijobbern mehr als den Mindestlohn zahlt und zum Jahreswechsel ebenfalls erhöht, bewegt sich nicht mehr im gleichen Verhältnis wie die Grenze. Dann passt dieselbe Stundenzahl unter Umständen nicht mehr darunter.

Oberhalb der Minijob-Grenze beginnt der sogenannte Übergangsbereich, oft Midijob genannt. Nach Paragraf 20 Absatz 2 SGB IV umfasst er Entgelte, die regelmäßig 2.000 Euro im Monat nicht übersteigen. 2027 reicht er damit von oberhalb 633 Euro bis zu dieser Obergrenze. Was ein Wechsel in diesen Bereich für die Abrechnung eines bestimmten Beschäftigten bedeutet, klären Sie mit Ihrem Lohnbüro.

Ergänzung vom 25. September 2026: Krankenversicherungs-Pauschale für Minijobs

Zum 1. Januar 2027 ändert sich ein weiterer Wert, der Minijobs betrifft. Diesmal geht es um eine Abgabe, die der Arbeitgeber trägt: den Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung.

Grundlage ist das Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung, kurz GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, vom 24. Juli 2026. Es steht im Bundesgesetzblatt 2026 Teil I Nr. 228, ausgegeben am 29. Juli 2026. Das Gesetz ist damit verkündet und kein Entwurf mehr.

Betroffen sind Minijobs außerhalb von Privathaushalten, von der Minijob-Zentrale gewerbliche Minijobs genannt. Für sie trägt der Arbeitgeber bisher einen Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung von 13 Prozent des Arbeitsentgelts, allerdings nur, wenn die Minijobberin oder der Minijobber in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung pflicht-, freiwillig oder familienversichert ist; bei privat Krankenversicherten fällt der Pauschalbeitrag laut einer FAQ der Minijob-Zentrale (abgerufen am 1. Oktober 2026) nicht an. Ab 1. Januar 2027 nennt das Gesetz dafür keinen festen Prozentsatz mehr. Der Pauschalbeitrag entspricht dann dem allgemeinen Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung, nach Paragraf 241 des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V) 14,6 Prozent, zuzüglich des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes. Für Minijobs in Privathaushalten gilt eine eigene Regel mit 5 Prozent; dieses Gesetz ändert sie nicht.

Den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz gibt das Bundesministerium für Gesundheit jeweils bis zum 1. November eines Jahres im Bundesanzeiger bekannt. Für 2026 beträgt er 2,9 Prozent. Einen Wert für 2027 nennt das Ministerium auf seiner Beitragsseite mit Stand vom 3. September 2026 noch nicht.

Bliebe der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bei 2,9 Prozent wie 2026, läge die Pauschale bei 17,5 Prozent. Der Wert für 2027 steht erst mit der Bekanntgabe bis 1. November 2026 fest. Zur Größenordnung eine eigene Rechnung, keine amtliche Angabe: Auf 633 Euro Monatsentgelt ergeben 13 Prozent 82,29 Euro, 17,5 Prozent ergäben 110,78 Euro.

Für das Gespräch mit Software-Anbieter oder Kanzlei heißt das: Klären Sie auch, ob der neue Pauschalsatz ab Januar 2027 hinterlegt wird, sobald der Zusatzbeitragssatz feststeht, und wer sich darum kümmert. Was die Änderung für Ihren Betrieb im Einzelnen bedeutet, besprechen Sie mit Ihrem Lohnbüro oder Ihrer Steuerberatung.

Was Sie bis Dezember 2026 prüfen können

Die folgenden Fragen eignen sich als Grundlage für ein Gespräch mit Ihrer Kanzlei oder als Checkliste für die eigene Lohnbuchhaltung. Eine bestimmte Software setzen sie nicht voraus.

Die Leitfrage an Software und Kanzlei

Übernimmt Ihre Lohnsoftware oder Ihre Kanzlei die neuen Werte, und wer passt die Stundenlöhne in den Stammdaten und die Arbeitsverträge an?

In dieser Frage stecken zwei verschiedene Dinge. Die gesetzlichen Werte, also Mindestlohn und Minijob-Grenze, sind für alle Betriebe gleich. Die Stundenlöhne Ihrer Beschäftigten dagegen sind Ihre eigenen Daten. Wie ein Programm mit beidem umgeht, ist von Produkt zu Produkt verschieden. Fragen Sie deshalb konkret nach, statt es vorauszusetzen:

  • Werden Mindestlohn und Minijob-Grenze ab 1. Januar 2027 in der Software hinterlegt, und wer kümmert sich darum?
  • Weist die Software auf Stundenlöhne unter 14,60 Euro hin, oder muss jemand die Liste selbst durchgehen?
  • Wer ändert die Stundenlöhne in den Stammdaten: Ihr Betrieb oder die Kanzlei?

Die letzte Frage klingt selbstverständlich. Klären Sie sie trotzdem ausdrücklich, damit sich niemand auf den anderen verlässt.

Die Stammdaten

  • Legen Sie eine Liste aller Beschäftigten an, die nach Stunden bezahlt werden, einschließlich Minijobbern und Aushilfen.
  • Markieren Sie jeden hinterlegten Stundenlohn, der unter 14,60 Euro brutto je Zeitstunde liegt.
  • Prüfen Sie, ob außerhalb der Lohnsoftware weitere Stellen einen Stundenlohn führen, etwa eine Dienstplan-Tabelle oder ein Zeiterfassungssystem. Solche Kopien werden beim Jahreswechsel leicht vergessen.

Die Minijob-Vereinbarungen

  • Rechnen Sie jede Vereinbarung mit fester Stundenzahl mit dem Stundenlohn ab 1. Januar 2027 gegen 633 Euro.
  • Bei einem festen Monatsbetrag teilen Sie den Betrag durch die vereinbarte Stundenzahl und vergleichen das Ergebnis mit 14,60 Euro.
  • Achten Sie besonders auf Vereinbarungen nahe an 43 Stunden im Monat und auf Stundenlöhne über dem Mindestlohn.

Die Arbeitsverträge

  • Prüfen Sie, welche Arbeitsverträge einen festen Stundenlohn oder einen festen Monatsbetrag nennen.
  • Klären Sie mit Ihrer Steuerberatung oder Ihrem Lohnbüro, ob und wie diese Verträge angepasst werden sollten. Das ist eine Rechtsfrage, die kein Taschenrechner beantwortet.

Wer diese Punkte bis Dezember 2026 durchgegangen ist, geht mit einer klaren Liste in den ersten Lohnlauf des neuen Jahres. Nicht mit einer Vermutung.

Was dieser Artikel offenlässt

Wir schreiben nur auf, was wir an amtlichen Quellen nachvollziehen konnten. Einige Punkte bleiben deshalb bewusst offen.

  • Ihre Software. Ob Ihre Lohnsoftware die neuen Werte selbst mitbringt, Stundenlöhne prüft oder Hinweise anzeigt, können wir allgemein nicht sagen. Das hängt vom Produkt und von Ihrer Vereinbarung mit Anbieter oder Kanzlei ab. Die Prüffragen oben sind der Weg, es für Ihren Betrieb herauszufinden.
  • Ihr Einzelfall. Was gilt, wenn ein Stundenlohn zu niedrig hinterlegt ist oder eine Minijob-Vereinbarung nicht mehr passt, gehört in die Hände Ihrer Steuerberatung oder Ihres Lohnbüros. Wir beschreiben Prüfpunkte, keine Rechtsfolgen.
  • Der Rahmen. Dieser Artikel behandelt ausschließlich Mindestlohn, Minijob-Grenze und die Krankenversicherungs-Pauschale für Minijobs ab 2027. Deren genaue Höhe hängt vom durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für 2027 ab, den das Bundesministerium für Gesundheit bis 1. November 2026 bekanntgibt; bei dieser Ergänzung lag er noch nicht vor. Weitere Fragen zur Lohnabrechnung beantwortet Ihr Lohnbüro.
  • Die Quellen. Die Zahlen stammen aus der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung vom 5. November 2025 (Bundesgesetzblatt, recht.bund.de), der Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 7. November 2025 (Bundesanzeiger, bundesanzeiger.de) sowie Paragraf 8 Absatz 1a und Paragraf 20 Absatz 2 SGB IV (gesetze-im-internet.de). Die Angaben zur Krankenversicherungs-Pauschale stammen aus dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24. Juli 2026 (Bundesgesetzblatt 2026 Teil I Nr. 228, recht.bund.de), den Paragrafen 241, 242a und 249b SGB V (gesetze-im-internet.de) sowie der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit zu den Beiträgen der gesetzlichen Krankenversicherung (bundesgesundheitsministerium.de). Dort können Sie die Werte selbst nachlesen. Die Stundenrechnung und das Rechenbeispiel zur Pauschale weiter oben sind unsere eigenen Rechnungen auf dieser Grundlage.

Wo wir helfen können

Die Lohnabrechnung selbst und ihre rechtliche Bewertung gehören zu Ihrer Kanzlei. Ein anderes Thema ist, wo die Daten dafür liegen. Werden Stundenlöhne an mehreren Stellen gepflegt, etwa in Lohnsoftware, Zeiterfassung und eigenen Tabellen, entsteht bei jeder Änderung doppelte Arbeit und die Gefahr, eine Stelle zu übersehen. Solche Datenflüsse zusammenzuführen oder Abgleiche zu automatisieren, gehört zu unserer Arbeit im Bereich Prozessautomatisierung. Wenn Sie das für Ihren Betrieb besprechen möchten, melden Sie sich gern bei uns.