Die wichtigste Unterscheidung steht am Anfang

Es kursiert in verkürzter Form die Aussage, Java werde kostenpflichtig. Das ist falsch, und der Unterschied ist der ganze Punkt dieses Beitrags.

Java ist zweierlei: eine offene Technik und ein Produkt. Die Technik selbst — der offene Quellcode unter dem Namen OpenJDK — wird von mehreren Anbietern zu fertigen Paketen gebaut und kostenfrei ausgeliefert. Daran ändert sich nichts. Kostenpflichtig wird ausschließlich Oracles eigene Auslieferung, das sogenannte Oracle JDK, und dort auch nur die Version 21.

Wenn Sie also am Ende dieses Beitrags nur eine Sache mitnehmen, dann diese: Bevor Sie über Lizenzen nachdenken, ist zu klären, welche Java-Ausgabe auf Ihren Rechnern und Servern tatsächlich installiert ist. Für einen großen Teil der Betriebe lautet die Antwort: eine freie — und dann gilt nichts von dem, was jetzt folgt.

Auf einen Blick

  • Oracle gibt seine Langzeitversionen unter einer kostenfreien Lizenz heraus, aber nur bis ein Jahr nach dem Erscheinen der nächsten Langzeitversion. Java 25 ist am 16. September 2025 erschienen — damit endet das Fenster für Oracle Java 21 am 16. September 2026.
  • Das letzte kostenfrei nutzbare Update für Oracle JDK 21 ist im Juli 2026 erschienen. Ab dem Sicherheitsupdate im Oktober 2026 liefert Oracle die Aktualisierungen unter seiner kostenpflichtigen Lizenz aus — derselben, unter der bereits Java 8, 11 und 17 stehen.
  • Abgerechnet wird nach der Zahl aller Beschäftigten, nicht nach der Zahl derer, die Java benutzen. Diese Metrik gilt seit Januar 2023.
  • Am 16. September 2026 fällt nichts aus. Bestehende Installationen laufen unverändert weiter. Was endet, ist der kostenfreie Nachschub an Sicherheitsupdates.
  • Freie Java-Ausgaben sind davon nicht betroffen. Wer keine Oracle-Ausgabe einsetzt, hat hier nichts zu tun.

Was an diesem Datum tatsächlich passiert

Oracle koppelt die kostenfreie Nutzung seiner Java-Ausgabe an einen festen Rhythmus: Eine Langzeitversion darf ein Jahr über das Erscheinen ihrer Nachfolgerin hinaus kostenfrei eingesetzt werden. Java 25 kam am 16. September 2025, also läuft die Frist für Java 21 am 16. September 2026 ab. Das ist keine Ankündigung und keine Preiserhöhung, sondern eine Regel, die von Anfang an so galt.

Praktisch wird sie erst mit dem nächsten Update spürbar. Oracle veröffentlicht Sicherheitsupdates in einem festen Quartalstakt; das im Juli 2026 erschienene war das letzte, das unter der kostenfreien Lizenz nutzbar ist. Das im Oktober 2026 folgende steht dann unter der kostenpflichtigen Lizenz. Genau darin liegt die Falle: Nicht das Datum löst die Zahlungspflicht aus, sondern das Einspielen des ersten Updates danach. Ein Server, auf dem Updates automatisch laufen, trifft diese Entscheidung ohne Sie.

Wer nichts unternimmt und die Updates unterbindet, hat ein anderes Problem: Die Software läuft weiter, aber neu gefundene Lücken werden in dieser Fassung nicht mehr für Sie geschlossen. Das ist kein Ausfall, sondern ein langsam wachsendes Risiko — dieselbe Mechanik, die wir in unserem Beitrag „.NET-Support endet: Fragen Sie Ihren Softwarelieferanten" beschrieben haben.

Die Rechnungsgrundlage ist die eigentliche Nachricht

Über den Preis lässt sich an dieser Stelle wenig Belastbares sagen, und wir nennen deshalb bewusst keine Zahl: Die im Netz kursierenden Beträge stammen aus Auswertungen von Lizenzberatungen, nicht aus einer öffentlich einsehbaren Preisliste des Herstellers. Was Sie eine Lizenz kostet, erfahren Sie verlässlich nur bei Oracle selbst oder über einen Vertragspartner.

Interessanter als der Preis ist ohnehin die Frage, worauf er sich bezieht. Oracle rechnet Java seit Januar 2023 nicht mehr pro Rechner, pro Prozessor oder pro Anwender ab, sondern pro Beschäftigtem des gesamten Unternehmens. Erfasst werden dabei nach den Berichten aus der Lizenzberatungspraxis Voll- und Teilzeitkräfte und je nach Auslegung auch Zeitarbeitskräfte und externe Dienstleister — unabhängig davon, ob diese Personen jemals Java benutzen.

Für einen kleinen Betrieb bedeutet das eine ungewohnte Rechnung: Ein einziger Server mit einer Oracle-Java-Laufzeit kann die gesamte Belegschaft lizenzpflichtig machen. Ein Etikettendrucker-Werkzeug in der Werkstatt, eine ältere Warenwirtschaft, ein Auswertungsprogramm auf einem Rechner in der Buchhaltung — die Anzahl der Installationen ist für die Rechnung zweitrangig, die Zahl Ihrer Mitarbeitenden nicht. Es ist eine der wenigen Lizenzkonstruktionen, bei denen ein wachsender Betrieb teurer wird, ohne mehr Software zu nutzen.

Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme, keine Entscheidung

Java steckt selten dort, wo man es vermutet. Kaum eine Software weist im Angebot aus, dass sie eine Java-Laufzeit voraussetzt, und noch seltener steht dort, von wem diese Laufzeit stammt. Typische Fundorte in einem kleinen Betrieb sind ältere Branchen- und Warenwirtschaftsprogramme, Werkzeuge rund um Etiketten- und Belegdruck, Auswertungs- und Reporting-Anwendungen sowie Serverdienste, die vor einigen Jahren einmal eingerichtet und seither nicht angefasst wurden.

Für die Bestandsaufnahme sind drei Dinge festzustellen, und alle drei sind Fragen an Technik und Lieferanten, nicht an das Bauchgefühl:

  • Wo ist überhaupt eine Java-Laufzeit installiert — auf welchen Servern, auf welchen Arbeitsplatzrechnern?
  • Von welchem Anbieter stammt sie? Das ist die entscheidende Frage. Viele Programme bringen ihre Laufzeit selbst mit, und häufig ist das eine freie Ausgabe.
  • Falls es eine Oracle-Ausgabe ist: in welcher Version? Nur Version 21 ist von diesem Termin betroffen. Für Java 8, 11 und 17 gilt die kostenpflichtige Lizenz ohnehin schon länger.

Erst wenn feststeht, dass tatsächlich Oracles Ausgabe in Version 21 im Einsatz ist, wird die Sache zu einer Entscheidung.

Drei Wege — und Nichtstun ist keiner davon

WegWas er bedeutetWas zu klären ist
Auf eine freie Ausgabe wechselnDieselbe Java-Version, anderer Hersteller des Pakets. Für viele Anwendungen ein Austausch ohne Anpassung.Ob Ihr Softwarelieferant seine Anwendung dafür freigibt — schriftlich.
Auf Java 25 gehenBleibt bei Oracle, öffnet ein neues kostenfreies Fenster.Ob Ihre Anwendung für Java 25 freigegeben ist. Und dass dieselbe Uhr erneut läuft: Das Fenster endet ein Jahr nach dem Erscheinen der nächsten Langzeitversion.
Lizenz erwerbenSinnvoll, wenn Sie ohnehin Oracle-Support brauchen.Der Preis nach Gesamtbeschäftigtenzahl — beim Anbieter zu erfragen, bevor Sie planen.

Kostenfrei nutzbare OpenJDK-Ausgaben gibt es von mehreren Anbietern; in diesem Zusammenhang genannt werden unter anderem Eclipse Temurin, Amazon Corretto, Azul Zulu und BellSoft Liberica. Welche davon für Ihre Anwendung in Frage kommt, entscheidet nicht die Beliebtheit, sondern die Freigabe Ihres Softwarelieferanten — und auch bei diesen Anbietern lohnt der Blick darauf, unter welchen Bedingungen sie ausliefern.

Die Frage an den Lieferanten sollte dabei nicht lauten, ob es „läuft", sondern: Unter welcher Java-Ausgabe und welcher Version ist Ihre Anwendung freigegeben, und was ändert sich an unserem Wartungsvertrag, wenn wir wechseln? Eine ausweichende Antwort ist auch ein Ergebnis.

Einordnung

Für die meisten kleinen Betriebe endet dieses Thema bei der Bestandsaufnahme — mit dem Ergebnis, dass keine Oracle-Ausgabe im Einsatz ist und nichts zu tun bleibt. Das ist der wahrscheinliche Ausgang, und er ist ausdrücklich der gute.

Unangenehm wird es nur in der Kombination aus zwei Umständen: eine Oracle-Java-Laufzeit im Bestand und automatische Updates, die im Oktober 2026 zugreifen, ohne dass jemand hingesehen hat. Beides lässt sich vorher klären, und der Aufwand dafür ist überschaubar — deutlich überschaubarer jedenfalls als ein Lizenzgespräch, das nach der Zahl Ihrer Mitarbeitenden rechnet.

Wenn Sie nicht sicher sind, ob und wo in Ihrem Betrieb eine Java-Laufzeit arbeitet und von wem sie stammt, übernehmen wir die Bestandsaufnahme. Wir sehen nach, was tatsächlich installiert ist, klären mit Ihren Softwarelieferanten die Freigaben — und sagen Ihnen, wenn nichts zu tun ist.