Ein Stichtag, an dem nichts abgeschaltet wird

Wenn Ihr Betrieb eine eigene Android-App hat — für Bestellungen, für die Terminbuchung, als Kundenportal oder für die Auftragserfassung im Außendienst —, dann betrifft Sie der 31. August 2026. Ab diesem Tag verlangt Google im Play Store, dass Apps auf eine neuere Android-Fassung ausgerichtet sind. Der Fachbegriff dafür ist das Ziel-API-Level: die Android-Fassung, für die eine App gebaut und geprüft wurde. Weiter unten steht ein Abschnitt, der das in Ruhe erklärt.

Was in Newslettern und Foren aus diesem Termin gemacht wird, klingt dramatischer als die Sache ist. Deshalb der wichtigste Satz zuerst: Es wird nichts gelöscht. Ihre App verschwindet nicht, Ihre bestehenden Nutzer behalten sie, dürfen sie weiter verwenden und sie sogar auf einem neuen Gerät wieder installieren. Was Sie verlieren können, ist Reichweite bei denen, die Ihre App noch nicht haben und ein Handy mit neuerem Android benutzen. Kein Ausfall, sondern ein stiller Verlust an Neuinstallationen.

Der zweite wichtige Satz: Es gibt zwei verschiedene Schwellen, und die meisten Darstellungen vermischen sie. Welche für Sie gilt, hängt an einer einzigen Frage — ob Sie etwas veröffentlichen wollen oder nicht. Stand dieses Beitrags: 10. August 2026.

Auf einen Blick

  • Wer veröffentlicht — eine neue App oder ein Update einer bestehenden —, muss ab dem 31. August 2026 auf Android 16 (API-Level 36) oder höher ausgerichtet sein, damit Google die Einreichung annimmt.
  • Wer nichts veröffentlicht, braucht Android 15 (API-Level 35) oder höher, damit die App neuen Nutzern auf Geräten mit neuerem Android weiterhin angeboten wird.
  • Gelöscht wird nichts. Wer die App schon aus dem Play Store installiert hat, ist von der Änderung ausdrücklich nicht betroffen und kann sie finden, neu installieren und weiter benutzen.
  • Die Folge betrifft ausschließlich neue Nutzer: Für Play-Nutzer, deren Android-Version höher ist als das Ziel-Level der App, ist sie nicht mehr auffindbar.
  • Apps, die auf Android 14 (API-Level 34) oder niedriger ausgerichtet sind, bleiben nur auf Geräten verfügbar, deren Android-Fassung gleich oder niedriger ist als dieses Ziel-Level.
  • Eine Verlängerung bis zum 1. November 2026 ist vorgesehen, wenn mehr Zeit für die Anhebung gebraucht wird. Den Link zum Antragsformular schickt Google zu: Wer betroffen ist, findet ihn nach Googles eigener Beschreibung in den Benachrichtigungen seines Entwicklerkontos.
  • Offen: Eine Frist für den Verlängerungsantrag selbst nennt Google auf seiner Hilfeseite nicht — daraus folgt nicht, dass es keine gibt. Und ob die Formulare schon bereitstehen, ist offen: Google beschreibt den Zugriff darauf als etwas, das im Lauf dieses Jahres möglich wird.
  • Dauerhaft interne Apps nimmt Google aus: Apps, die auf Nutzer einer bestimmten Organisation beschränkt und nur für den internen Vertrieb bestimmt sind. Ob das für Ihre App zutrifft, muss derjenige bestätigen, der sie veröffentlicht.
  • Google hat den Termin in einer Ankündigung vom 15. Juli 2026 ausdrücklich als reguläres Jahresupdate bestätigt. Eine Verschiebung ist nicht angekündigt.

Was ein „API-Level" ist

Der Begriff muss einmal kurz erklärt werden, sonst bleibt der Rest unverständlich. Jede Android-Version hat neben ihrem Namen eine laufende Nummer für ihre Programmierschnittstellen, das API-Level: Android 14 ist API-Level 34, Android 15 ist 35, Android 16 ist 36. Wenn in Googles Unterlagen beide Angaben nebeneinanderstehen, ist das keine zusätzliche Bedingung, sondern dieselbe Aussage zweimal.

Das Ziel-API-Level einer App ist die Android-Fassung, für die sie gebaut und geprüft wurde. Es ist nicht die niedrigste Android-Version, auf der die App noch läuft — das ist eine andere Angabe, die häufig damit verwechselt wird. Und es ist keine Eigenschaft, die Sie an Ihrem Handy ablesen können: Das Ziel-Level setzt derjenige, der die App baut und im Play Store einreicht. Es ist deshalb eine Frage an Ihren Dienstleister und nicht an Ihr Gerät.

Zwei Schwellen — und wie Sie sich einordnen

Hier liegt der Unterschied, den fast alle Zusammenfassungen verwischen, und er entscheidet, wie dringend das Thema für Sie ist.

Wenn Sie etwas veröffentlichen wollen, gilt die höhere Schwelle. Google behandelt neue Apps und Updates gleich: Ab dem 31. August 2026 müssen Einreichungen auf Android 16 (API-Level 36) oder höher ausgerichtet sein. Ein Update, das im September 2026 eingereicht wird — auch ein kleines, das nur einen Rechenfehler in einem Formular behebt —, fällt unter diese Anforderung.

Wenn Sie nichts veröffentlichen wollen, gilt die niedrigere. Eine bestehende App braucht Android 15 (API-Level 35) oder höher, damit Google sie neuen Nutzern auf Geräten mit neuerem Android weiterhin anbietet.

Daraus ergibt sich eine Einordnung, die in wenigen Minuten erledigt ist. Ein Betrieb, der seine App seit zwei Jahren nicht angefasst hat und auch nichts ändern will, muss nur wissen, ob sie auf 35 oder höher steht. Ein Betrieb, der ein Update plant, landet unabhängig davon bei 36 — die niedrigere Schwelle hilft ihm nicht. Und wessen App auf 34 oder darunter ausgerichtet ist, hat beide Fragen auf einmal.

Eine Kombination lohnt es sich zu vermeiden: Wer die kleine Anhebung auf 35 als Zwischenschritt einplant und danach doch noch ein Update ausliefern will, macht die Arbeit zweimal. Wenn ohnehin etwas veröffentlicht wird, ist 36 das Ziel.

Was mit Ihrer bestehenden App wirklich passiert

Google beschreibt die Folge eng begrenzt. Die App ist für diejenigen Play-Nutzer nicht mehr auffindbar, deren Android-Version höher ist als das Ziel-Level der App. Wer sie bereits aus dem Play Store installiert hat, ist davon ausdrücklich nicht betroffen: Diese Nutzer können die App weiterhin finden, neu installieren und benutzen — auf jeder Android-Version, die die App unterstützt.

Das ist die entlastende Hälfte. Die unangenehme ist die Stille. Es gibt keinen Ausfall, keine Fehlermeldung, keine Nachricht an Ihre Kunden und keinen Tag, an dem im Betrieb etwas auffällt. Wer sich ein neues Handy kauft und Ihre App sucht, findet sie schlicht nicht — und meldet das in aller Regel niemandem. Sichtbar wird der Effekt an einer Zahl, die selten jemand ansieht: an den Neuinstallationen. Getroffen wird dabei genau die Gruppe, die man am wenigsten verlieren will, nämlich Kunden mit neuen Geräten.

Wie groß der Verlust ausfällt, hängt am Abstand zwischen Ziel-Level und den Geräten am Markt. Eine App auf Android 15 verliert die Nutzer mit Android 16, also einen Ausschnitt. Eine App auf Android 14 oder niedriger bleibt nur auf Geräten verfügbar, deren Android-Fassung gleich alt oder älter ist — und dieser Anteil schrumpft, weil neue Geräte mit neueren Android-Versionen ausgeliefert werden. Das ist auch der Grund, warum das Thema wiederkehrt: Es ist ein reguläres Jahresupdate der Play-Anforderungen, keine Einzelmaßnahme.

Die zwei Fragen, die Sie stellen sollten

Der ganze Vorgang lässt sich für einen Betrieb ohne eigene IT auf zwei Fragen an denjenigen zusammenziehen, der die App gebaut hat oder betreut.

Auf welches Ziel-API-Level ist unsere App ausgerichtet, und bis wann wird es angehoben? Die erste Hälfte der Antwort ist eine Zahl, die zweite ein Datum. Auskünfte wie „läuft doch alles" gehen am Punkt vorbei, denn das ist ja gerade die Beschreibung des Problems: Es läuft, und trotzdem sinkt die Sichtbarkeit für neue Nutzer.

Liegt im Entwicklerkonto eine Benachrichtigung zu diesem Punkt vor? Google benachrichtigt nach eigener Beschreibung die Entwickler betroffener Apps und legt in diese Benachrichtigung den Link zum Antragsformular. Sie ist damit zugleich Diagnose und Eintrittskarte für die Verlängerung.

Beantwortet werden beide Fragen im Entwicklerkonto, also in der Play Console — nicht auf Ihrem Gerät und nicht in Ihren Unterlagen. Falls unklar ist, wer Zugang zu diesem Konto hat, ist das die eigentliche erste Aufgabe: Ohne Zugang lässt sich weder der Stand prüfen noch eine Verlängerung beantragen.

Die Verlängerung bis zum 1. November 2026 — und was daran offen ist

Wer mehr Zeit braucht, um das Ziel-Level anzuheben, kann eine Verlängerung bis zum 1. November 2026 beantragen. Die App wird dann bis zu diesem Datum weiter an alle Play-Nutzer verteilt. Zwei Dinge sind daran wichtig.

Die Verlängerung ist kein Weg, es zu lassen. Voraussetzung ist die Absicht, das Ziel-API-Level anzuheben. Sie verschafft Zeit für die Arbeit, sie ersetzt die Arbeit nicht.

Den Link zum Antrag schickt Google zu. Nach Googles eigener Beschreibung erhalten die Entwickler betroffener Apps in ihren Benachrichtigungen einen Link zum Antragsformular — Google nennt diese Formulare „Formulare zur Fristverlängerung". Jemand muss also die Benachrichtigungen des Entwicklerkontos lesen. Und weil nur betroffene Apps benachrichtigt werden, gilt weiter: keine Benachrichtigung, kein Formular.

Und an zwei Stellen endet unser Wissen. Wir sagen das lieber offen, als es zu raten:

  • Eine Frist für den Antrag selbst nennt Google auf seiner Hilfeseite nicht. Daraus folgt nicht, dass es keine gibt; es heißt nur, dass wir sie nicht kennen. Wer die Verlängerung braucht, sollte den Antrag deshalb nicht auf die letzten Tage vor dem 31. August 2026 legen.
  • Ob die Formulare schon bereitstehen, ist offen. Google beschreibt den Zugriff als etwas Künftiges: Im Lauf dieses Jahres könne man in der Play Console auf die Formulare zur Fristverlängerung zugreifen. Ob das den Stand vom 10. August 2026 beschreibt oder aus dem Vorjahreszyklus stehen geblieben ist, lässt sich von außen nicht entscheiden, weil der Zustand hinter dem Entwickler-Login liegt.

Praktisch heißt das: nicht „Sie können eine Verlängerung beantragen", sondern „jemand mit Zugang zum Entwicklerkonto muss die Benachrichtigungen ansehen und prüfen, ob dort ein Formular angeboten wird". Für den, der den Zugang hat, ist das eine Aufgabe von Minuten.

Dauerhaft interne Apps

Ausgenommen sind nach Googles eigener Formulierung „dauerhaft interne Apps, die auf Nutzer in einer bestimmten Organisation beschränkt und nur für den internen Vertrieb bestimmt sind". Zwei Bedingungen also: Organisationszugehörigkeit und ausschließlich interne Verteilung. Wenn Ihre App nur von Ihren eigenen Mitarbeitenden benutzt wird, kann dieser Fall vorliegen.

Das „kann" ist wörtlich gemeint: Die Definition sagt, worauf es ankommt, nicht, wie es in der Play Console eingestellt wird. Ob eine öffentlich veröffentlichte App, die lediglich intern bekannt gemacht wird, die zweite Bedingung erfüllt, hängt an der technischen Umsetzung im Einzelfall — und die ist mit demjenigen zu klären, der die App veröffentlicht. Wir schreiben deshalb nicht „interne Apps sind nicht betroffen", sondern: Lassen Sie sich bestätigen, dass Ihre App als dauerhaft interne Organisations-App verteilt wird — auf Nutzer Ihrer Organisation beschränkt, ausschließlich intern. Das ist eine Auskunft, keine Recherche.

Zwei Vorgänge, die leicht damit verwechselt werden

Die Meldepflicht ab dem 11. September 2026. Sie liegt zeitlich dicht daneben und trifft ebenfalls Betriebe, die Software abgeben — ist aber etwas völlig anderes: eine gesetzliche Pflicht des Cyber Resilience Act gegenüber Behörden, wenn eine Schwachstelle im eigenen Produkt ausgenutzt wird. Der 31. August 2026 ist dagegen eine Anforderung eines Plattformbetreibers an die Verteilung im Play Store. Von beidem betroffen zu sein ist möglich; das eine zu erledigen erledigt das andere nicht.

Eine App, die ihr Hersteller selbst zurückzieht. Dass ein Anbieter sein eigenes Produkt abkündigt und aus dem Play Store nimmt — wie Microsoft es zum 31. August 2026 mit seiner Power-Automate-App tut —, hat mit dieser Store-Vorgabe nichts zu tun, auch wenn beides auf denselben Tag fällt. Dort entfernt ein Hersteller sein Produkt aus dem Store. Hier ändert der Store-Betreiber die Bedingung, unter der Apps neuen Nutzern angeboten werden, und Ihre App bleibt.

Fazit

Der 31. August 2026 ist ein Termin für die Reichweite, nicht für den Betrieb. Nichts wird gelöscht, nichts wird abgeschaltet, niemand verliert seine App. Wenn nichts geschieht, geschieht genau das: nichts Sichtbares — während Ihre App Nutzern mit neueren Android-Versionen nicht mehr angeboten wird.

Deshalb ist die Aufgabe klein und die Frist trotzdem echt. Zwei Fragen an denjenigen, der Ihre App veröffentlicht: Auf welches Ziel-API-Level ist sie ausgerichtet, und bis wann wird es angehoben? Und liegt im Entwicklerkonto eine Benachrichtigung dazu vor? Lautet die Antwort 35 oder höher und steht kein Update an, sind Sie fertig. Ist ein Update geplant, heißt das Ziel 36. Und steht die App auf 34 oder niedriger, gehört das Gespräch nicht in die Woche vor dem Stichtag.

Eigene Entwickler haben wir nicht — Software entsteht bei uns über einen Partner. Was wir tun: Wir klären mit Ihnen, ob Ihr Betrieb von diesem Termin überhaupt betroffen ist, formulieren die beiden Fragen so an Ihren Dienstleister, dass eine Zahl und ein Datum zurückkommen, und ordnen die Antwort ein, damit Sie entscheiden können, ob Sie anheben, verlängern oder nichts tun. Sprechen Sie uns an, wenn Sie das vor dem 31. August 2026 geklärt haben möchten.