Verloren geht nicht die Datei, sondern das Programm dazu
In fast jedem Betrieb liegen Dateien, die nur ein einziges Programm öffnen kann. Solange dieses Programm auf den Rechnern installiert ist, fällt das niemandem auf. Es fällt an dem Tag auf, an dem das Programm nicht mehr da ist: Die Dateien liegen weiter im Ordner, sie sind vollständig, sie lassen sich kopieren und sichern. Nur ansehen kann sie niemand mehr.
Genau dieser Fall steht bei Microsoft Publisher an. Nach dem 1. Oktober 2026 können Microsoft-365-Abonnenten Publisher nicht mehr aufrufen und ihre .pub-Dateien darin weder öffnen noch bearbeiten. Das Programm ist dabei nicht der eigentliche Verlust. Der Verlust ist die Vorlage von 2019, aus der jedes Jahr die neue Preisliste entsteht.
Von der Veröffentlichung dieses Beitrags aus sind es 50 Tage bis zu diesem Stichtag. Das reicht bequem, wenn man jetzt anfängt. Es reicht nicht, wenn die Sache bis in den späten September liegen bleibt, denn die Arbeit steckt nicht im Umwandeln, sondern im Finden.
Auf einen Blick
- Nach dem 1. Oktober 2026 haben Microsoft-365-Abonnenten keinen Zugriff mehr auf Publisher und können .pub-Dateien darin weder öffnen noch bearbeiten.
- Am 13. Oktober 2026 endet der Support für die Kaufversion von Publisher, gemeinsam mit Office LTSC 2021 und Consumer Office 2021. Dieses Datum ist in diesem Blog bereits Thema gewesen.
- Ihre Dateien werden nicht gelöscht. Eine .pub-Datei bleibt, wo sie liegt. Es fehlt danach nur das Programm, das sie lesen kann.
- Kaufversionen werden nicht deinstalliert. Sie laufen weiter, bekommen aber ab dem 13. Oktober 2026 keine Sicherheitsupdates und keinen Support mehr.
- Microsofts eigener Weg zum Weiterbearbeiten führt über PDF nach Word — und Microsoft schreibt selbst dazu, dass das Layout dabei abweichen kann.
- Zu erledigen ist das vorher. Jede Umwandlung setzt voraus, dass sich Publisher noch öffnen lässt.
Zwei Termine, die im Oktober gern in einen Topf geraten
| Was bei Ihnen läuft | Termin | Was daran hängt |
|---|---|---|
| Publisher aus einem Microsoft-365-Abo | nach dem 1. Oktober 2026 | Kein Zugriff mehr auf Publisher; .pub-Dateien lassen sich darin weder öffnen noch bearbeiten |
| Eine gekaufte Publisher-Version | 13. Oktober 2026 | Supportende, gemeinsam mit Office LTSC 2021 und Consumer Office 2021 |
| Die .pub-Dateien selbst | kein Termin | Sie bleiben liegen; gelöscht wird nichts |
Welcher der beiden Termine für Sie gilt, entscheidet über den Aufwand. Wer Publisher über ein Abo hat, verliert das Werkzeug und muss vorher handeln. Wer eine Kaufversion einmal erworben hat, behält sie: Sie wird nicht entfernt, sie startet weiter, und sie öffnet .pub-Dateien auch nach dem 13. Oktober 2026. Was endet, sind Sicherheitsupdates und Support. Bei einem Programm, in dem Dateien aus fremder Hand geöffnet werden, ist das mit der Zeit ein Argument gegen den Dauerbetrieb — aber es ist kein Tag, an dem etwas ausfällt.
Der 13. Oktober 2026 ist dabei kein neues Datum. Er stand schon im Beitrag „13. Oktober 2026: drei Support-Enden an einem Tag" vom 16. Juli 2026, dort mit Windows 11 24H2 in den Editionen Home und Pro, Office 2021, Office LTSC 2021 und dem ersten Jahr des Windows-10-Business-ESU. Publisher taucht in dieser Aufzählung nicht auf, gehört aber in dieselbe Liste: Microsoft knüpft sein Supportende ausdrücklich an das Supportende von Office LTSC 2021 und Consumer Office 2021. Wer den damaligen Beitrag als Checkliste benutzt hat, ergänzt Publisher.
Was nach dem 1. Oktober 2026 im Abo passiert, und was Microsoft offenlässt
Microsoft formuliert den Abo-Termin als „nach dem 1. Oktober 2026". Ob der 1. Oktober selbst noch dazugehört, ist für die Planung ohne Belang: Wer an diesem Tag noch nicht fertig ist, ist zu spät dran.
Belegt sind zwei Dinge. Der Zugriff auf Publisher endet für Microsoft-365-Abonnenten, und .pub-Dateien lassen sich in Publisher weder öffnen noch bearbeiten. Nicht beschrieben ist, wie sich das am Bildschirm zeigt: ob das Symbol bei der nächsten automatischen Aktualisierung verschwindet oder ob das Programm stehen bleibt und den Dienst verweigert. Wir raten das hier nicht. Für die Praxis läuft beides auf dasselbe hinaus, und beides hat denselben Stichtag.
Was ausdrücklich nicht passiert: Ihre Dateien werden nicht angerührt. Word, Excel, Outlook und PowerPoint sind von diesem Termin nicht betroffen. Es geht um ein Programm und um ein Dateiformat, nicht um Ihr Office.
Unangenehm ist an dem Fall etwas anderes. Im Betrieb hat niemand etwas geändert. Microsoft-365-Installationen aktualisieren sich selbst, das ist der Sinn der Sache — und ein Programm, das dabei wegfällt, verschwindet genauso still, wie sonst neue Funktionen dazukommen. Wer im Oktober zum ersten Mal seit Monaten wieder eine Speisekarte anfassen will, merkt es dann.
Ob Sie betroffen sind, sehen Sie am Startmenü
Der schnellste Test braucht keine Vertragsunterlagen: Steht Publisher im Startmenü eines Arbeitsplatzes, betrifft Sie dieser Termin. Prüfen Sie das geräteweise, statt es anzunehmen. In gemischten Beständen ist die Antwort selten einheitlich.
Die wichtigere Frage lautet ohnehin nicht „haben wir das Programm", sondern „haben wir die Dateien". Ein Betrieb kann Publisher seit Jahren nicht mehr benutzen und trotzdem einen Ordner voller .pub-Dateien haben. Umgekehrt ist ein Arbeitsplatz mit Publisher, auf dem nie eine Datei entstanden ist, an diesem Termin gar nicht beteiligt.
Wo .pub-Dateien in kleinen Betrieben liegen
Publisher ist in Betrieben ohne Grafikabteilung das Programm für alles, was kein Word-Dokument ist: Flyer, Speisekarten, Preislisten, Etiketten, Visitenkarten, Aushänge, die Einladung zum Tag der offenen Tür. Solche Dateien entstehen selten und werden lange benutzt. Genau das macht sie zum Problem. Die Datei, die zuletzt vor drei Jahren geöffnet wurde, ist die, an die im Oktober niemand denkt.
Suchen Sie deshalb an vier Stellen nach der Dateiendung .pub:
- Auf dem Dateiserver oder in der gemeinsamen Cloud-Ablage. Dort liegt der offizielle Bestand.
- Auf den einzelnen Arbeitsplätzen, auch in den persönlichen Dokumentenordnern derjenigen, die Flyer nebenbei gemacht haben.
- Im Postfach. Vorlagen wandern als Anhang hin und her, und manche existieren nur noch dort.
- In den Sicherungen und auf alten Datenträgern, falls eine Vorlage im laufenden Bestand nicht mehr auftaucht.
Sortieren Sie das Ergebnis in zwei Stapel, bevor Sie irgendetwas umwandeln: Was ist nur noch Nachweis, und was soll weiter bearbeitet werden? In der Regel ist der erste Stapel groß und der zweite klein. Arbeit macht nur der zweite.
Der erste Stapel: als PDF sichern
Für alles, was bloß aufbewahrt wird, ist PDF der ruhige Weg. Das Ergebnis sieht aus wie das Original, es lässt sich in zehn Jahren noch öffnen, und es hängt an keinem einzelnen Programm mehr.
Bei einer Handvoll Dateien macht man das von Hand: öffnen, als PDF speichern, fertig. Bei mehreren hundert Dateien ist das ein verlorener Tag. Für diesen Fall stellt Microsoft ein Beispielskript für PowerShell bereit, das mehrere .pub-Dateien in einem Durchlauf nach PDF umwandelt. Wenn bei Ihnen jemand solche Skripte ausführt oder Ihr IT-Dienstleister das übernimmt, ist das der Hinweis, der hier den größten Unterschied macht: Aus einem Tag Klickarbeit wird ein Vorgang, der nebenher läuft.
Für beide Wege gilt dieselbe Bedingung. Sie setzen voraus, dass sich Publisher noch öffnen lässt. Nach dem Stichtag fehlt im Abo genau das Programm, das die Datei lesen könnte.
Der zweite Stapel: über PDF nach Word, mit Abstrichen
Für Dokumente, die weiter bearbeitet werden sollen, nennt Microsoft einen eigenen Weg: die Publisher-Datei als PDF speichern und dieses PDF anschließend in Word öffnen. Word wandelt es dabei in ein bearbeitbares Dokument um.
Verlustfrei ist das nicht, und Microsoft sagt das selbst: Das Layout kann vom Original abweichen. Was in Publisher millimetergenau gesetzt war, sitzt in Word nicht zwingend an derselben Stelle. Je aufwendiger das Original gestaltet ist, mit mehreren Spalten, Textkästen und umflossenen Bildern, desto mehr Nacharbeit fällt an.
Daraus folgt eine Entscheidung, die man besser bewusst trifft. Bei einer Vorlage, die jedes Jahr gebraucht wird, lohnt es sich meist, sie einmal sauber neu aufzubauen, statt jedes Jahr an einem schief importierten Dokument zu korrigieren. Das Programm wählen Sie dabei nach der Aufgabe: Word für alles, was hauptsächlich Text ist, PowerPoint für frei gesetzte Seiten, weil sich dort Elemente ohne Rücksicht auf den Textfluss platzieren lassen.
Konverter von Drittanbietern: von Microsoft genannt, ausdrücklich ohne Support
Microsoft nennt Konverter von Drittanbietern selbst als möglichen Weg und schreibt im selben Zug dazu, dass Microsoft für sie keinen Support leistet. Diese Einschränkung gehört zur Empfehlung dazu, sonst ist sie falsch wiedergegeben.
Von uns kommt an dieser Stelle kein Produktname. Wir haben keinen Beleg dafür, dass ein bestimmter Konverter .pub-Dateien zuverlässig und layouttreu öffnet, und ein ungeprüftes Werkzeug zu empfehlen ist keine Empfehlung, sondern eine Weitergabe des Risikos.
Zwei Dinge lassen sich trotzdem sicher sagen. Wenn Sie einen Konverter ausprobieren, dann an einer Kopie und nicht am einzigen Exemplar. Und Preislisten, Kundenlisten oder alles, was Personendaten enthält, gehören nicht auf eine beliebige Umwandlungs-Website. Der Weg über PDF kostet nichts und verlässt das Haus nicht.
Was Sie jetzt tun sollten
- Suchen, bevor Sie umwandeln. Die Endung .pub auf Server, Arbeitsplätzen, im Postfach und in den Sicherungen. Diese Suche ist der eigentliche Auftrag, und sie dauert länger als die Umwandlung.
- In zwei Stapel sortieren. Nachweis oder Weiterarbeit. Diese Unterscheidung entscheidet über den Aufwand.
- Alles als PDF sichern, auch das, was Sie weiter bearbeiten wollen. Das PDF ist zugleich die Vorlage, an der Sie das umgewandelte Dokument später vergleichen.
- Für die zwei, drei wirklich benutzten Vorlagen eine Entscheidung treffen. Neu aufbauen oder importieren und nacharbeiten, beides vor dem Stichtag, solange sich das Original noch danebenlegen lässt.
- Bei Kaufversionen den 13. Oktober 2026 einplanen. Das Programm läuft weiter, aber ohne Updates. Als Dauerlösung taugt das nicht.
- Kurz vor dem Termin noch einmal nachsehen. Die Microsoft-Seite zu diesem Thema trägt kein Änderungsdatum, und Termine dieser Art sind schon verschoben worden. Der Blick kostet fünf Minuten.
Ein zweiter Termin am selben Tag, der nichts damit zu tun hat: Zum 1. Oktober 2026 stellt Microsoft in Microsoft 365 auch die Postfach-Schnittstelle EWS ab. Wer beides im Haus hat, sollte die beiden Aufgaben getrennt planen. Beschrieben ist der zweite Termin im Beitrag „Microsoft 365: EWS-Abschaltung, die niemand sofort merkt" vom 10. August 2026.
Die Frage hinter dem Termin
Publisher ist ein Fall von vielen, und er wird nicht der letzte sein. Die Frage, die dieser Stichtag stellt, lohnt sich für den ganzen Betrieb: Welche Dateien in Ihrem Haus lassen sich nur mit genau einem Programm öffnen?
Kandidaten gibt es fast überall. Zeichnungen aus einem CAD-Programm, die Datenbank der Etikettensoftware, Auswertungen aus der alten Warenwirtschaft, die Konfiguration der Telefonanlage, Projektdateien eines Videoschnittprogramms. Solange die Lizenz läuft und das Programm installiert ist, ist das kein Thema. Zum Thema wird es, wenn der Hersteller das Produkt einstellt, ein Abo endet oder der eine Rechner ausgetauscht wird, auf dem das Programm als Letztes noch lag.
Zwei Gewohnheiten entschärfen das dauerhaft, und beide kosten fast nichts:
- Was archiviert wird, kommt zusätzlich in ein Format, das mehr als ein Programm lesen kann. Für Dokumente ist das PDF, für Tabellen CSV, für Bilder JPEG oder PNG. Die Originaldatei darf ruhig daneben liegen bleiben.
- Bei jeder neuen Software einmal die Ausstiegsfrage stellen: Wie bekommen wir unsere Daten hier wieder heraus, wenn wir das Programm nicht mehr haben? Wer diese Frage vor dem Kauf stellt, bekommt eine ehrliche Antwort. Wer sie hinterher stellt, bekommt einen Konverter ohne Support.
Unsere Einschätzung
Das hier ist kein Notfall, sondern ein Aufräumtermin mit fester Frist. Nichts wird gelöscht, kein Rechner fällt aus, und in den meisten Betrieben geht es um eine überschaubare Zahl von Dateien. Der Grund, es trotzdem nicht liegen zu lassen, ist die Reihenfolge: Vorher sucht man in Ruhe und sichert, was man behalten will. Nachher sucht man unter Zeitdruck jemanden, der eine Datei überhaupt noch öffnen kann.
Ein guter Anlass für die größere Frage ist der Termin ohnehin. Publisher ist nur das Programm, an dem es sich diesmal zeigt.
Wenn Sie nicht wissen, wo in Ihrem Bestand .pub-Dateien liegen, übernehmen wir die Suche, sichern den Bestand als PDF und bauen die Vorlagen, die Sie weiter brauchen, in einem Programm neu auf, das Sie ohnehin haben.
