Die Verbindung steht, nach einigen Minuten reißt sie ab
Morgens melden sich alle am Server an, die Branchensoftware startet, und nach einigen Minuten bricht die Remotedesktop-Verbindung ab. Beim nächsten Versuch klappt die Anmeldung nicht, oder der Server bleibt bei der Meldung „Please wait for the Remote Desktop Configuration" stehen. Auf den ersten Blick deutet nichts auf ein Update hin. Seit dem Windows-Update vom 8. September 2026 kann es aber genau daran liegen.
Microsoft führt den Fehler seit dem 11. September 2026 als bekanntes Problem unter dem Titel „Remote Desktop Services might stop responding after Sept. 2026 security update". Am 14. September 2026 folgte ein Notfallupdate, das den Fehler behebt. Der Haken liegt im Verteilweg: Für Windows Server 2022 und Windows Server 2025 gibt es dieses Update nur über den Microsoft Update Catalog, Microsofts Download-Verzeichnis für einzelne Update-Pakete. Über Windows Update kommt es dort nicht, und auch nicht über WSUS, einen Update-Server im eigenen Netz. Wer seine Server mit diesen Versionen allein über die automatischen Wege versorgt, hat die Korrektur dort nicht bekommen.
Was Microsoft bestätigt
Microsoft beschreibt die Betroffenheit so: „Some Windows devices with Remote Desktop enabled might experience Remote Desktop Services (RDS) instability." Auf Deutsch: Auf manchen Windows-Geräten mit aktiviertem Remotedesktop können die Remotedesktopdienste instabil werden. Remotedesktop ist die Funktion, mit der man sich über das Netzwerk an einem anderen Rechner anmeldet und dort arbeitet, als säße man davor.
Das Fehlerbild laut Microsoft:
- Remotedesktop-Verbindungen (RDP, so heißt das Protokoll dahinter) brechen nach einigen Minuten ab.
- Anmeldungen schlagen fehl.
- Server bleiben bei „Please wait for the Remote Desktop Configuration" hängen.
- Die Verwaltungskonsole MMC, das Prüfwerkzeug RDS Licensing Diagnoser und der Datei-Explorer reagieren unter Umständen ebenfalls nicht mehr.
- Die Windows-Update-Seite kann hängen bleiben und dauerhaft eine Ladeanzeige zeigen.
Der letzte Punkt ist tückisch. Ausgerechnet die Seite, auf der man nach Updates schauen würde, kann selbst betroffen sein.
Die Meldung zitieren wir im englischen Original, so wie Microsoft sie angibt. Auf einem deutschsprachigen Server kann der Wortlaut abweichen.
Nicht betroffen sind laut Microsoft Windows 365 und Azure Virtual Desktop, also Microsofts Arbeitsplätze aus der Cloud.
Die Zeitleiste
- 8. September 2026: Das Sicherheitsupdate für September 2026 erscheint und löst den Fehler aus.
- 11. September 2026: Microsoft trägt den Fehler als bekanntes Problem ein.
- 14. September 2026: Microsoft meldet den Fehler als behoben, das Notfallupdate ist verfügbar.
- 17. September 2026: Letzte Aktualisierung des Microsoft-Eintrags, Stand unserer Prüfung am 18. September 2026.
Betrifft das Sie?
Als betroffene Server nennt Microsoft Windows Server 2025, 2022, 2019, 2016, 2012 R2 und 2012. Dazu kommen Windows 11 in den Versionen 26H1, 25H2, 24H2 und 23H2, Windows 10 in den Versionen 22H2 und 21H2 sowie Windows 10 Enterprise LTSC 2019 und LTSC 2016. LTSC steht für Ausgaben von Windows mit besonders langem Wartungszeitraum.
Wichtig ist eine Einschränkung, die Microsoft gerade nicht macht. Die Rede ist von Geräten mit aktiviertem Remotedesktop. Microsoft grenzt das nicht auf Terminalserver ein, also auf Server, an denen mehrere Mitarbeitende gleichzeitig arbeiten. Ob nur solche Server betroffen sind oder jedes Gerät, auf dem Remotedesktop eingeschaltet ist, geht aus Microsofts Angaben nicht hervor. Umgekehrt heißt es auch nicht, dass jedes dieser Geräte den Fehler zeigt: Microsoft schreibt „some", also manche.
Praktisch lässt sich die Frage für Ihren Betrieb trotzdem stellen. Gibt es bei Ihnen einen Server, auf den per Remotedesktop zugegriffen wird? Das kann der Server sein, auf dem die Branchensoftware läuft und über den Außendienst und Homeoffice arbeiten. Es kann auch ein Server sein, auf den sich Ihr Dienstleister zur Wartung per Remotedesktop aufschaltet. Wenn ja und wenn dort das Update vom 8. September 2026 installiert ist, lohnt die Nachfrage.
Warum das Notfallupdate nicht von selbst kommt
Windows-Updates kommen üblicherweise über Windows Update, über Windows Update for Business, also die Update-Steuerung für Unternehmen, oder über WSUS. Ein solcher WSUS-Server verteilt Updates zentral an die Rechner im Betrieb. Das Notfallupdate vom 14. September 2026 hat Microsoft außer der Reihe veröffentlicht, als sogenanntes Out-of-Band-Update. Wie es auf den Server kommt, hängt von der Server-Version ab.
Windows Server 2022 und 2025: nur über den Katalog
Für Windows Server 2022 heißt das Notfallupdate KB5129237, danach steht der Server auf Build 20348.5631. KB-Nummern sind die Kennnummern, unter denen Microsoft seine Updates führt. Für Windows Server 2025 heißt es KB5129235, Build 26100.33451. Beide gibt es nur über den Microsoft Update Catalog. Über Windows Update, Windows Update for Business und WSUS sind sie nicht erhältlich. Jemand muss das Paket also gezielt herunterladen und installieren.
Windows Server 2019: im Katalog, sonst offen
Für Windows Server 2019 lautet die Nummer KB5129238 (Build 17763.9247). Das Update liegt im Microsoft Update Catalog bereit. Ob es daneben auch über Windows Update oder WSUS verteilt wird, konnten wir nicht prüfen: Microsofts Beschreibungsseite zu diesem Update zeigte bei unserem Abruf am 18. September 2026 keinen Inhalt.
Windows Server 2016: Nummer bekannt, Weg offen
Für Windows Server 2016 heißt das Notfallupdate KB5129239 (Build 14393.9514). Auch hier war Microsofts Beschreibungsseite bei unserem Abruf leer. Auf welchem Weg es verteilt wird, klären Sie am besten mit Ihrem Dienstleister.
Windows Server 2012 und 2012 R2
Beide stehen auf Microsofts Liste der betroffenen Systeme. Welches Update dort hilft, haben wir nicht ermitteln können. Deshalb nennen wir hier keine Nummer.
Zum Vergleich: Windows 11
Auf Windows 11 in den Versionen 24H2 und 25H2 kommt das Notfallupdate KB5129195 über Windows Update und wird automatisch heruntergeladen und installiert. WSUS und Windows Update for Business liefern es dort ebenfalls. Genau dieser Unterschied macht den Fall heikel: Auf dem Arbeitsplatzrechner kann die Korrektur von selbst ankommen, auf einem Server mit Windows Server 2022 oder 2025 nicht.
Was Sie Ihren IT-Dienstleister fragen sollten
Das Update müssen Sie nicht selbst einspielen. Mit ein paar Fragen klären Sie aber, ob es erledigt ist:
- Welche unserer Server haben Remotedesktop aktiviert? Gemeint ist nicht nur der Terminalserver, sondern jeder Server, auf den per Remotedesktop zugegriffen wird.
- Welche Windows-Server-Version läuft darauf, und welcher Build ist installiert? An der Buildnummer lässt sich ablesen, ob das Notfallupdate installiert ist. Nach dem Notfallupdate steht Server 2022 auf 20348.5631, Server 2025 auf 26100.33451, Server 2019 auf 17763.9247 und Server 2016 auf 14393.9514. Laut Microsoft steckt die Korrektur außerdem in allen Updates, die nach dem 14. September 2026 erscheinen.
- Auf welchem Weg kommt das Update auf den Server? Bei Server 2022 und 2025 geht es nur über den Katalog. Versorgt Ihr Dienstleister diese Server ausschließlich über Windows Update oder WSUS, ist das Notfallupdate dort nicht angekommen. Bei Server 2019 und 2016 fragen Sie, wie er es bezogen hat.
Microsoft erwähnt außerdem eine vorübergehende Abhilfe über eine Gruppenrichtlinie, also eine zentral verteilte Windows-Einstellung. Wer diese Abhilfe eingerichtet hat, muss laut Microsoft vor der Installation des Notfallupdates nichts weiter unternehmen.
Wenn der Fehler schon auftritt
Schildern Sie Ihrem Dienstleister, was Sie sehen: abbrechende Verbindungen nach einigen Minuten, fehlschlagende Anmeldungen, die hängende Meldung beim Anmelden, eine Windows-Update-Seite, die nicht fertig lädt. Nennen Sie dazu den bekannten Fehler, den Microsoft am 11. September 2026 eingetragen hat. Dann weiß er, wo er zuerst suchen sollte, und muss nicht beim Netzwerk oder bei den Lizenzen anfangen.
Bis wann?
Microsoft sagt, die Korrektur sei im Notfallupdate vom 14. September 2026 und in den danach veröffentlichten Updates enthalten. Ein eigenes Datum für die Server nennt Microsoft nicht. Der nächste reguläre Update-Termin, der sogenannte Patchday, fällt nach dem Kalender auf den 13. Oktober 2026. Das ist unsere Rechnung, keine Zusage von Microsoft. Wer auf diesen Termin wartet, nimmt in Kauf, dass ein betroffener Server bis dahin instabil bleiben kann.
Was offen ist
Einige Punkte konnten wir nicht belastbar klären. Wir lassen sie lieber offen, als zu raten:
- Wer genau betroffen ist: Ob nur Server mit installierter Rolle Remotedesktopdienste betroffen sind oder jedes Gerät mit aktiviertem Remotedesktop, sagt Microsoft nicht.
- Wie viele Betriebe betroffen sind: Microsoft nennt keine Zahlen, wir deshalb auch nicht.
- Verteilweg für Server 2019 und 2016: Für Server 2019 wissen wir nur, dass das Update im Katalog liegt. Ob es ausschließlich dort liegt, ist offen. Für Server 2016 kennen wir nur die Nummer.
- Server 2012 und 2012 R2: betroffen, aber welches Update dort hilft, haben wir nicht ermittelt.
- Inhalt der Gruppenrichtlinien-Abhilfe: Microsofts Anleitung dazu haben wir nicht geprüft und beschreiben sie deshalb nicht.
- Deutscher Meldungstext: Wie die Meldung „Please wait for the Remote Desktop Configuration" auf einer deutschen Oberfläche lautet, haben wir nicht geprüft.
- USB-Audio: Auf derselben Microsoft-Seite steht ein weiterer bekannter Fehler mit USB-Audiogeräten der Klasse USB Audio Class 1.0. Das Notfallupdate behebt davon nur den Ausfall im Mehrkanalbetrieb, etwa bei 8-Kanal- oder 3D-Audio. Andere Symptome wie Fehlercode 10, fehlender Ton oder eine nicht reagierende Lautstärkeregelung sind offen. Dieser Fehler ist also nur teilweise behoben.
Was der Fall über automatische Updates zeigt
Automatische Updates erledigen viel, aber nicht alles. Dieser Fall zeigt, dass ein Notfallupdate für einen wichtigen Server auch einmal nur auf Abruf bereitliegt. Wer seine Server betreuen lässt, sollte wissen, ob solche Ausnahmen mit abgedeckt sind oder ob die Betreuung beim automatischen Verteilweg endet. Die Frage lässt sich an diesem Fall konkret stellen, mit einer Buildnummer als Antwort.
Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Server das Notfallupdate haben, sehen wir uns das gern gemeinsam mit Ihnen an.
