Drei Tage, bis die Skizze einfriert
Ein Whiteboard ist die Sorte Inhalt, die niemand als Datei begreift. Jemand hat in einer Besprechung eine Fläche geöffnet, ein Netzwerk daraufgezeichnet, Zuständigkeiten verteilt, drei Angebotsvarianten nebeneinandergestellt. Danach bekam dieses Board keinen Ordner, kein Backup und keine zuständige Person. Es lag einfach da — und war jederzeit wieder auffindbar, solange niemand danach fragte.
Für einen Teil dieser Boards läuft gerade eine Frist ab. Microsoft überführt Whiteboards, die noch im alten Azure-Speicher liegen, nach OneDrive. Am 22. August 2026 endet diese Migration. Was danach noch im alten Speicher liegt, wird schreibgeschützt und lässt sich nicht mehr überführen. Am 5. September 2026 werden diese verbliebenen Boards gelöscht — endgültig und ohne Wiederherstellung. Zwischen dem Erscheinen dieses Beitrags und dem ersten Termin liegen drei Tage.
Auf einen Blick
- 22. August 2026: Die Migration von Azure-basierten Whiteboards nach OneDrive endet. Verbliebene Boards werden schreibgeschützt und lassen sich nicht mehr migrieren.
- 5. September 2026: Die verbliebenen Azure-basierten Whiteboards werden gelöscht. Eine Wiederherstellung ist nicht vorgesehen.
- 14. September 2026: Die eigenständigen Whiteboard-Apps für Windows, iOS und Android werden eingestellt.
- Betroffen sind Geschäftskonten mit Whiteboards aus der Zeit vor 2022: Workshop-Skizzen, Projektplanungen, Retrospektiven.
- Lässt sich ein Board nicht migrieren, nennt Microsoft zwei Handgriffe vor dem 5. September 2026: eine Kopie anlegen oder den Inhalt exportieren — und den Administrator ansprechen.
Schreibgeschützt und gelöscht sind zwei verschiedene Schäden
Die beiden Termine treffen unterschiedlich hart, und das ist der Grund, warum sie hier einzeln stehen.
Am 22. August 2026 verlieren Sie den Weg, nicht den Inhalt. Ein Board, das dann noch im alten Speicher liegt, wird schreibgeschützt. Es lässt sich nicht mehr migrieren. Der reguläre Weg, die Skizze in die heutige Ablage zu holen, ist damit zu.
Am 5. September 2026 verlieren Sie den Inhalt. Microsoft schreibt ausdrücklich, dass die verbliebenen Azure-basierten Whiteboards gelöscht werden und nicht wiederhergestellt werden können. Das ist keine Aufbewahrung in einem Papierkorb, aus dem später jemand etwas herausholt.
Zwischen beiden Terminen liegen genau zwei Wochen. Microsoft nennt für Boards, die sich nicht migrieren lassen, einen eigenen Weg mit eigener Frist: vor dem 5. September 2026 eine Kopie anlegen oder den Inhalt exportieren. Ob dieser Weg nach dem 22. August bei jedem Board noch funktioniert, sagt die Mitteilung nicht. Rechnen Sie deshalb nicht damit.
Betrifft es Ihren Betrieb?
Zwei Merkmale grenzen den Kreis ein. Es geht um Geschäftskonten, also um Whiteboards unter einem Firmenkonto — und es geht um Boards aus der Zeit vor 2022. Boards, die später entstanden sind, nennt Microsoft in dieser Mitteilung nicht.
Wie viele Betriebe das trifft, ist nicht bekannt — wir schätzen es hier nicht. Interessanter ist ohnehin, was in solchen Boards steckt. Typisch sind Workshop-Skizzen, Projektplanungen und Retrospektiven, also genau die Inhalte, die niemand für wichtig hält, bis sie fehlen. Ihr Wert zeigt sich meist erst, wenn jemand fragt: Wie hatten wir das damals aufgeteilt?
Sehen Sie deshalb nicht nach Wichtigkeit durch, sondern nach Alter. Ein Board, das seit Jahren niemand geöffnet hat, ist kein Beweis dafür, dass der Inhalt entbehrlich ist — es ist der Normalfall bei dieser Art von Material.
Was in den nächsten drei Tagen zu tun ist
Die Reihenfolge ist kurz, und sie hält sich bewusst von einzelnen Schaltflächen fern: Oberflächen ändern sich, die Aufgabe bleibt.
- Fragen Sie zuerst, ob es bei Ihnen alte Whiteboards gibt. Nicht Sie allein wissen das — fragen Sie die Personen, die vor Jahren in den Workshops saßen. Eine Rundmail mit einer konkreten Frage bringt an einem Vormittag mehr als jede Suche.
- Ziehen Sie den Administrator hinzu, bevor die drei Tage vorbei sind. Microsoft verweist für Boards, die sich nicht migrieren lassen, ausdrücklich auf die Administration. Wer Ihre Microsoft-365-Umgebung betreut — intern oder als Dienstleister —, sieht den Bestand, den einzelne Beschäftigte nicht sehen.
- Sichern Sie, was Sie nicht verlieren wollen, außerhalb von Whiteboard. Eine Kopie oder ein Export des Inhalts vor dem 5. September 2026 ist der Weg, den Microsoft für nicht migrierbare Boards nennt. Legen Sie das Ergebnis dorthin, wo Ihre übrigen Projektunterlagen liegen, nicht auf einen einzelnen Rechner.
- Entscheiden Sie bewusst, was Sie gehen lassen. Nicht jeder Entwurf von damals muss gerettet werden. Eine kurze Notiz, dass ein Board bewusst nicht gesichert wurde, ist mehr wert als ein Board, das irgendwann unbemerkt verschwindet.
Ein dritter Termin: die eigenständigen Apps
Am 14. September 2026 stellt Microsoft die eigenständigen Whiteboard-Apps für Windows, iOS und Android ein. Das ist ein dritter Termin und eine andere Sache: Er betrifft die Anwendung auf dem Gerät, während die beiden anderen Termine den Speicherort der Boards betreffen.
Was „eingestellt" im Einzelnen für eine bereits installierte App bedeutet und welche Wege danach offenstehen, sagt die Mitteilung an dieser Stelle nicht. Wir tragen hier nichts nach, was dort nicht steht. Wenn in Ihrem Betrieb jemand mit einer dieser Apps arbeitet, ist das die Frage, die vor Mitte September beantwortet sein sollte — und zwar an Ihrer eigenen Umgebung.
Woher diese Termine stammen
Alle drei Termine stehen in Microsofts Support-Beitrag zur Migration von Whiteboards aus Azure nach OneDrive. Wir haben die Seite am 19. August 2026 selbst aufgerufen; die Fristen sind dort im Wortlaut genannt.
Diese Seite ist die Quelle, an der Sie im Zweifel nachsehen: Sie heißt sinngemäß „Migration von Whiteboards aus Azure zu OneDrive" im Microsoft-Support. Wenn Ihnen zu diesem Vorgang anderswo abweichende Termine begegnen — in einer älteren Partnermail, in einem Forenbeitrag —, gelten die Daten aus dieser Support-Seite.
Was hier bewusst nicht steht
Drei Dinge lassen wir offen, weil sie sich aus der Mitteilung nicht belegen lassen.
- Wie viele Betriebe betroffen sind. Dazu gibt es keine belastbare Zahl, und eine geschätzte wäre hier wertlos.
- Ob bei Ihnen überhaupt noch etwas im alten Speicher liegt. Das steht in Ihrer eigenen Umgebung und nirgends sonst; die Antwort kommt von der Administration, nicht aus einem Fachbeitrag.
- Der genaue Klickweg zur Kopie oder zum Export. Oberflächen ändern sich zwischen Ankündigung und Frist; eine Anleitung, die heute stimmt, führt in drei Wochen ins Leere. Maßgeblich ist, was zu tun ist und bis wann.
Unsere Einschätzung
Der eigentliche Punkt an diesem Termin ist nicht die Umstellung eines Speicherorts. Er ist, dass ein ganzes Stück Betriebswissen an einem Ort lag, für den niemand zuständig war. Boards entstehen in Besprechungen, nicht in Prozessen: Sie bekommen keinen Ordner, keine Freigabe, keinen Verantwortlichen, und deshalb bekommen sie auch keine Aufmerksamkeit, wenn ein Hersteller eine Frist setzt.
Für die kommenden drei Tage zählt trotzdem nur der eine Handgriff: nachsehen und sichern, was Sie behalten wollen. Die Lehre danach ist die größere Aufgabe — jeder Ort, an dem Arbeitsergebnisse entstehen, braucht jemanden, der die Herstellermeldungen dazu liest.
Wenn Sie nicht sicher sind, ob in Ihrer Microsoft-365-Umgebung noch alte Whiteboards liegen: Wir sehen uns den Bestand an, sichern die Inhalte, die Sie behalten wollen, und sagen Ihnen vor dem 5. September 2026, was übrig bleibt.
