Der Druckknopf tut plötzlich nichts mehr

Die Rechnungen für den Monat sind erfasst, der Sammeldruck läuft an — und bricht mit einer Fehlermeldung ab. Oder er läuft scheinbar durch, und im Ausgabeordner liegen leere PDF-Dateien. Der Drucker ist in Ordnung, das Papier auch, das Netzwerk sowieso. Alles andere druckt weiterhin: Word, der Browser, das Mailprogramm. Nur die Fachanwendung nicht.

Wer diesen Fall seit Mitte August 2026 auf dem Tisch hat, sucht die Ursache meist zuerst beim Drucker, dann beim Treiber, dann beim Softwarehaus. Die ersten beiden sind unschuldig. Auslöser ist ein Windows-Update vom 11. August 2026 — genauer: das an diesem Tag ausgelieferte Update für das .NET Framework, den Unterbau, auf dem viele Windows-Programme laufen. Es stört das Drucken und den PDF-Export in einer ganz bestimmten Art von Anwendungen. Und es ist nicht der Drucker, der betroffen ist, sondern das Programm: Dasselbe Gerät, dasselbe Dokument, aus einer anderen Anwendung heraus gedruckt — und es klappt.

Stand 4. September 2026 ist der Fehler offen. Microsoft führt ihn in den eigenen Update-Hinweisen als bekanntes Problem und untersucht ihn.

Auf einen Blick

  • Betroffen ist das .NET-Update vom 11. August 2026, ausgeliefert in mehreren Paketen — unter anderem KB5120708, KB5120705 und KB5120710, je nach Windows-Stand. Welche Kennung auf einem Gerät liegt, hängt von der installierten Windows-Version ab.
  • Es trifft Programme, die auf Microsofts Oberflächentechnik WPF aufsetzen: typischerweise Warenwirtschaft, Zeiterfassung, Kassensysteme, Handwerker-, Kanzlei- und Buchhaltungssoftware.
  • Der Fehler tritt auf, sobald das Dokument bestimmte verbreitete Schriften enthält. Dazu gehört Calibri — die Standardschrift vieler Vorlagen.
  • Erster Umweg, ohne Nebenwirkungen: In den Vorlagen die Schrift wechseln, etwa von Calibri auf Arial oder Times New Roman. Druck und PDF-Export laufen dann wieder.
  • Zweiter Umweg: ein Schalter in der Konfigurationsdatei der Anwendung. Den kann nur das Softwarehaus setzen — und er schaltet genau die Schutzfunktion ab, die das Update eingebaut hat.
  • Nicht deinstallieren. Das Update schließt Sicherheitslücken, darunter solche, über die sich Code aus der Ferne ausführen lässt.

Warum es die Anwendung trifft und nicht den Drucker

Viele Fachprogramme für Windows sind mit einer Microsoft-Technik namens WPF gebaut — kurz für Windows Presentation Foundation. Sie erzeugt die Oberfläche des Programms, und sie erzeugt auch die Druckausgabe: Was auf dem Papier oder im PDF landet, setzt WPF zusammen, nicht der Drucker.

Zu dieser Aufgabe gehört ein Detail, das man im Alltag nie bemerkt. Damit ein PDF überall gleich aussieht, bettet das Programm die verwendete Schrift in die Datei ein — aber nicht die vollständige Schrift mit allen paar tausend Zeichen, sondern nur die Zeichen, die im Dokument tatsächlich vorkommen. Dieses Zusammenschneiden nennt sich Subsetting. Es spart Platz und ist seit Jahrzehnten Standard.

Genau an dieser Stelle hat das Update vom 11. August 2026 eine zusätzliche Prüfung eingezogen. Sie soll verhindern, dass sich über manipulierte Schriftdateien etwas ins System schmuggeln lässt — ein sinnvoller Schutz. Bei bestimmten regulären, völlig unverdächtigen Schriften schlägt diese Prüfung aber an, obwohl nichts falsch ist. Die Folge: Der Vorgang wird abgebrochen, die Anwendung meldet einen Fehler, und gedruckt oder exportiert wird nichts.

Das erklärt auch, warum der Fehler so willkürlich wirkt. Word druckt dasselbe Dokument in derselben Schrift anstandslos, weil Word einen anderen Weg zum Drucker nimmt. Zwei Kollegen mit demselben Programm haben unterschiedliche Ergebnisse, weil in der einen Vorlage Calibri steht und in der anderen nicht. Und ein Betrieb merkt tagelang nichts, bis am Monatsende der erste größere Rechnungslauf ansteht.

Wer im Juni 2026 schon einmal in einer ähnlichen Lage war, kennt das Muster: Damals startete die Branchensoftware nach einem Windows-Update kein Word und kein Excel mehr — beschrieben in unserem Beitrag „Windows-Juni-Update bricht die Office-Anbindung". Die Technik dahinter ist eine völlig andere, das Symptom-Muster ist dasselbe: Die Fachanwendung sieht defekt aus, kaputt ist aber etwas darunter.

Der erste Weg: die Schrift in den Vorlagen wechseln

Das ist die Maßnahme, die wir kleinen Betrieben zuerst empfehlen — weil sie sofort wirkt, nichts abschaltet und niemanden von außen braucht.

Nehmen Sie sich die Vorlagen vor, die aus der Fachanwendung heraus gedruckt oder als PDF ausgegeben werden: Rechnung, Lieferschein, Angebot, Mahnung, Arbeitsnachweis. Steht dort im Textkörper Calibri, ersetzen Sie es durch Arial oder Times New Roman. Danach läuft der Druck wieder. Das Update bleibt installiert, die Schutzfunktion bleibt aktiv, an Windows wird nichts verändert.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens: Ihre Dokumente sehen danach anders aus. Bei einem Lieferschein interessiert das niemanden, bei einem Angebot im Firmenlayout schon eher — das ist eine Entscheidung, die Sie und nicht die IT trifft. Zweitens: Nicht jedes Programm lässt die Schrift in seinen Vorlagen frei einstellen. Wo sie fest hinterlegt ist, führt der Weg zwangsläufig zum Softwarehaus.

Der zweite Weg: der Schalter, den nur das Softwarehaus setzen kann

Microsoft nennt einen zweiten Umweg: einen Schalter in der Konfigurationsdatei der Anwendung, der die neue Prüfung für dieses eine Programm wieder ausschaltet. Er heißt Switch.MS.Internal.TtfDelta.DisableCmapAndSbitOverflowProtection und wird auf „true" gesetzt.

Zwei Dinge sind daran wichtig. Erstens gehört dieser Schalter in die Konfigurationsdatei der Anwendung, nicht in Windows. Setzen kann ihn also nur, wer die Anwendung ausliefert — der Hersteller Ihrer Branchensoftware. Kein Betrieb sollte das auf eigene Faust in fremden Programmdateien nachbauen; beim nächsten Programm-Update wäre die Änderung ohnehin wieder weg.

Zweitens schreibt Microsoft selbst dazu, dass dieser Schalter genau die Schutzfunktion abschaltet, die das Update gerade eingebaut hat. Er stellt den Zustand von vor dem 11. August 2026 wieder her — mitsamt der Lücke. Als Überbrückung für ein paar Wochen ist das vertretbar, als Dauerzustand nicht. Wenn Ihr Softwarehaus diesen Weg vorschlägt, ist die richtige Rückfrage deshalb nicht „geht das?", sondern „bis wann ersetzen Sie das durch eine dauerhafte Lösung?" — und die Antwort gehört schriftlich in die Ablage.

Warum das Update trotzdem bleiben sollte

Der naheliegende Reflex ist, das Update zu entfernen. Davon raten wir ausdrücklich ab. Es schließt Sicherheitslücken, darunter solche, über die sich Code aus der Ferne ausführen lässt — das ist die Sorte Lücke, die in Angriffen tatsächlich benutzt wird. Wer das Update deinstalliert, tauscht ein Druckproblem gegen ein Sicherheitsproblem und hat das Druckproblem beim nächsten Update-Lauf ohnehin wieder.

Ein Hinweis zum Zeithorizont: Der nächste planmäßige Microsoft-Patchday nach dieser Veröffentlichung ist der 8. September 2026. Ob dort eine Korrektur dabei ist, stand am 4. September 2026 nicht fest. Prüfen Sie den aktuellen Stand, bevor Sie größere Umbauten anstoßen — es kann sein, dass sich die Frage inzwischen von selbst erledigt hat.

Was Sie jetzt tun sollten

  • Aktiv nachsehen, statt zu warten. Drucken Sie in jeder Fachanwendung testweise ein Dokument und erzeugen Sie ein PDF. Das dauert fünf Minuten und ist deutlich angenehmer, als es am Monatsende beim Rechnungslauf zu erfahren.
  • Bei Fehlern zuerst die Schrift prüfen. Enthält die betroffene Vorlage Calibri, ist der Wechsel auf Arial oder Times New Roman der schnellste Weg zurück in den Betrieb.
  • Das Softwarehaus einbeziehen — mit einer konkreten Frage. Nicht „bei uns druckt es nicht", sondern: „Kennen Sie das Verhalten nach dem .NET-Update vom 11. August 2026, und wie gehen Sie damit um?" Damit landen Sie sofort im richtigen Vorgang.
  • Kein Rückbau des Updates. Auch dann nicht, wenn es jemand anbietet.

Fazit

Wir sind ein kleiner Dienstleister und sehen solche Fälle aus der Nähe: Was hier aussieht wie ein Druckerproblem, ist eine Sicherheitsprüfung, die an einer harmlosen Schrift anschlägt. Wer das weiß, spart sich den halben Tag Fehlersuche am falschen Ende — und trifft die richtige Entscheidung, nämlich die Vorlage anzufassen statt das Sicherheitsupdate.

In einer betreuten Umgebung fällt so etwas früher auf, weil Updates erst auf wenigen Geräten laufen und bekannte Nebenwirkungen eingeordnet sind, bevor sie im Tagesgeschäft ankommen. Wenn bei Ihnen seit Mitte August 2026 eine Fachanwendung nicht mehr druckt oder Sie Ihr Update-Management in ruhigere Bahnen bringen möchten, sehen wir uns das gern an.