Ein Büro, zwei Versionsstände

Am 22. September 2026 hat Microsoft Version 2609 der Microsoft 365 Apps veröffentlicht. So heißen die Office-Desktop-Programme im Abonnement, etwa Word und Excel. Die Version erschien im Current Channel, dem Update-Kanal, den Microsoft für Microsoft 365 Apps for business und Microsoft 365 Apps for enterprise als Standard vorsieht.

Nicht jedes Gerät soll sie bekommen. Laut Microsoft bleiben Rechner mit Windows 10 auf der Vorgängerversion 2608 stehen. Dieselbe Regel nennt Microsoft für Windows Server 2022 und Windows Server 2019. Auf einem Windows Server laufen Microsoft 365 Apps zum Beispiel dann, wenn er als Terminalserver dient: Mehrere Mitarbeitende melden sich per Remotedesktop an und arbeiten dort gleichzeitig mit Word und Excel.

Ein Beispiel: Der neue Laptop der Geschäftsführung läuft mit Windows 11, im Lager steht ein älterer PC mit Windows 10, und die Buchhaltung arbeitet auf einem Terminalserver mit Windows Server 2022. Stehen alle Geräte im Current Channel, gibt es in diesem Büro nach Microsofts Regel ab Version 2609 zwei Versionsstände nebeneinander. Was das für Funktionen, Sicherheitsupdates und Support bedeutet, klären die folgenden Abschnitte. Danach geht es um die Wege, die Sie haben.

Was Microsoft festgelegt hat

Microsoft beschreibt die Regel auf zwei Seiten, eine für Windows 10 und eine für Windows Server. Zu Windows 10 steht dort: Die Geräte erhalten Funktionsupdates und Copilot-Unterstützung, soweit sie dafür berechtigt sind, bis Version 2608 erscheint. Danach bleiben sie auf 2608 und bekommen nur noch Sicherheitsupdates, und zwar bis zum 10. Oktober 2028. Ausgeliefert werden diese Updates laut Microsoft über die normalen Update-Kanäle.

Für Windows Server 2022 und Windows Server 2019 formuliert Microsoft die gleiche Regel: Funktionsupdates bis Version 2608, danach nur Sicherheitsupdates bis 10. Oktober 2028. Windows Server 2016 bleibt laut Microsoft auf einem älteren Stand, nämlich Version 2602.

SystemVersion, auf der die Geräte laut Microsoft bleibenSicherheitsupdates für Microsoft 365 Apps laut Microsoft
Windows 102608bis 10.10.2028
Windows Server 20222608bis 10.10.2028
Windows Server 20192608bis 10.10.2028
Windows Server 20162602bis 10.10.2028

Denselben Termin für alle vier Systeme nennt auch Microsofts Übersicht zur Unterstützung von Office und Windows.

Wichtig für das Verständnis: 2608 ist selbst die letzte Funktionsversion. Sie erschien im Current Channel am 19. August 2026 und im Monthly Enterprise Channel am 8. September 2026. Version 2609 ist damit die erste, die Geräte mit Windows 10, Windows Server 2019 und Windows Server 2022 laut Microsoft nicht mehr erhalten. Die Regel gilt für Microsoft 365 Apps for business und for enterprise sowie für die Abo-Versionen von Project und Visio.

Warum der Inhalt von 2609 zweitrangig ist

Was Version 2609 im Einzelnen ändert, führt Microsoft in seinen Versionshinweisen auf. Für die Frage, welche Geräte betroffen sind, ist das zweitrangig.

Der Punkt ist die Regel dahinter. Geräte, die laut Microsoft auf 2608 bleiben, sind für künftige Funktionsupdates nicht mehr vorgesehen, egal was spätere Versionen bringen. Für nicht unterstützte Betriebssysteme warnt Microsoft außerdem, dass neue oder geänderte Funktionen der Microsoft 365 Apps nicht wie erwartet funktionieren könnten.

Drei Termine, die leicht durcheinandergeraten

Support, Funktionsstand und Sicherheitsupdates laufen bei Microsoft getrennt. Für die Microsoft 365 Apps gelten diese Termine:

  • Seit 14. Oktober 2025 ohne Support: Microsoft 365 Apps auf Windows 10, Windows Server 2019 und Windows Server 2016. Windows 10 selbst hat seit diesem Tag ebenfalls keinen Support mehr.
  • Support endet im Oktober 2026: Microsoft 365 Apps auf Windows Server 2022. Microsoft unterstützt diese Kombination nur, solange Windows Server 2022 im Mainstream-Support ist. Laut Microsofts Lifecycle-Tabelle endet dieser am 14. Oktober 2026 um 6:59:59 Uhr pazifischer Zeit; mehr zu diesem Termin im Beitrag zum Mainstream-Ende von Windows Server 2022.
  • Sicherheitsupdates bis 10. Oktober 2028: Microsoft 365 Apps auf allen vier Systemen aus der Tabelle oben.

Bei Windows Server 2022 fallen Support und Funktionsstand auseinander. Die Kombination mit Microsoft 365 Apps ist bis Oktober 2026 unterstützt, der Funktionsstand ist laut Microsoft trotzdem schon bei 2608 eingefroren. Dazu kommt ein zweiter Versatz: Das Betriebssystem erhält laut Lifecycle-Tabelle erweiterten Support bis Oktober 2031, die Sicherheitsupdates für Microsoft 365 Apps enden am 10. Oktober 2028. Das sind rund drei Jahre Unterschied. Mehr zum Server-Termin steht in unserem Beitrag zum Mainstream-Ende von Windows Server 2022.

Was „ohne Support“ im Alltag heißt, beschreibt Microsoft ebenfalls. Tritt ein Problem mit Microsoft 365 Apps nur unter Windows 10 auf und nicht unter Windows 11, bittet der Microsoft-Support um den Wechsel auf Windows 11. Fehler an Microsoft melden oder Produktänderungen anfragen lässt sich in solchen Supportfällen nicht. Dieselbe Einschränkung gilt laut Microsoft allgemein für Microsoft 365 Apps in nicht unterstützten Konfigurationen, also auch für Windows Server 2022 nach Oktober 2026.

Windows 10 mit ESU: was die Verlängerung abdeckt

ESU steht für Extended Security Updates, ein kostenpflichtiges Programm, mit dem Microsoft Windows 10 selbst weiter mit Sicherheitsupdates versorgt. Unternehmen erhalten diese Updates höchstens drei Jahre nach dem Supportende von Windows 10. Voraussetzung ist Windows 10 Version 22H2. Über Microsoft Volume Licensing kostet das erste Jahr 61 US-Dollar je Gerät, danach verdoppelt sich der Preis jedes Jahr. Wer erst im zweiten Jahr einsteigt, bezahlt das erste Jahr nach.

Am Stand der Microsoft 365 Apps ändert ESU nichts. Das Programm enthält keine neuen Funktionen. Und Microsoft formuliert die Supporteinschränkungen für Microsoft 365 Apps auf Windows 10 ausdrücklich „with or without Extended Security Updates“, also mit oder ohne ESU. Ein Windows-10-Rechner mit ESU bleibt bei den Office-Programmen damit auf demselben Stand wie einer ohne: laut Microsoft Version 2608, eingeschränkter Support.

Ein Detail betrifft OneDrive. Die OneDrive-App erhält laut Microsoft auf Windows 10 22H2 Updates bis 10. Oktober 2028. Auf älteren Windows-10-Versionen bekommt sie keine Updates mehr.

Wann das erste ESU-Jahr für Unternehmen endet, beschreiben wir mit eigener Quellenlage in den Beiträgen zum Windows-10-Supportende und zu den Supportenden im Oktober 2026.

So prüfen Sie Ihre Geräte

Den Stand eines Geräts sehen Sie in wenigen Schritten:

  1. Öffnen Sie ein Office-Programm, etwa Word, und gehen Sie auf Datei > Konto. Bei den Produktinformationen stehen Update-Kanal, Version und Build.
  2. Halten Sie fest, mit welchem Windows das Gerät läuft. Bei einem Terminalserver ist das die Windows-Server-Version des Servers.
  3. Prüfen Sie nach dem Oktober-Patchday 2026, Microsofts monatlichem Termin für Sicherheitsupdates, ob die Buildnummer auf den Geräten mit Version 2608 weiter steigt.

Zum dritten Punkt: Bringt ein Update nur Sicherheits- oder Fehlerkorrekturen, ändert Microsoft laut eigener Beschreibung der Update-Kanäle nur die Buildnummer, die Versionsnummer bleibt gleich. Eine steigende Buildnummer auf Version 2608 wäre also das sichtbare Zeichen, dass die zugesagten Sicherheitsupdates ankommen. Zusagen können wir das nicht. Dafür gibt es den Blick auf das Gerät.

Wenn ein Dienstleister Ihre IT betreut, sind das die Fragen an ihn:

  • Welche unserer Rechner laufen noch mit Windows 10, und ist es jeweils Version 22H2?
  • Auf welcher Windows-Server-Version laufen die Office-Programme unseres Terminalservers?
  • Welchen Update-Kanal nutzen unsere Geräte?
  • Steigt nach dem Oktober-Patchday 2026 die Buildnummer auf den Geräten, die bei 2608 stehen?

Welche Wege es gibt

Rechner mit Windows 10: Microsofts vorgesehener Weg ist Windows 11. Für Microsoft 365 Apps auf Windows 11 nennt Microsofts Übersicht kein Supportende, und der Support verweist bei Problemen, die nur unter Windows 10 auftreten, auf genau diesen Wechsel. Ob sich ein vorhandener Rechner auf Windows 11 bringen lässt oder ersetzt werden muss, entscheidet sich am einzelnen Gerät. ESU kann das Betriebssystem absichern, die Office-Programme bleiben laut Microsoft trotzdem bei 2608.

Terminalserver mit Windows Server 2022: Hier bleibt Zeit für die Planung, weil die Sicherheitsupdates für Microsoft 365 Apps laut Microsoft bis 10. Oktober 2028 laufen. Neue Funktionen kommen laut Microsoft nicht mehr, und nach dem Mainstream-Ende im Oktober 2026 ist die Kombination nicht mehr unterstützt. Für Windows Server 2025 gibt Microsoft an, Microsoft 365 Apps während des Mainstream-Supports zu unterstützen. Dieser endet laut Microsoft im Oktober 2029. Für Server-Versionen, die Microsoft 365 Apps nicht unterstützen, empfiehlt Microsoft den Umstieg auf Windows 365 oder Azure Virtual Desktop. Preise für diese Wege haben wir für diesen Beitrag nicht geprüft.

Windows Server 2019 und 2016: Bei beiden ist der Support für Microsoft 365 Apps seit 14. Oktober 2025 beendet. Windows Server 2016 steht laut Microsoft auf Version 2602. Das Betriebssystem selbst endet laut Microsofts Übersicht im Januar 2027, also vor dem Ende der Sicherheitsupdates für Microsoft 365 Apps am 10. Oktober 2028. Für Windows Server 2019 nennt dieselbe Übersicht als Ende des Betriebssystems den Januar 2029.

Was offen ist

Ein Punkt in Microsofts eigenen Angaben passt nicht zusammen. Microsofts allgemeine Versionstabelle führt für Version 2608 im Monthly Enterprise Channel ein Service-Ende am 8. Dezember 2026. Die Microsoft-Seiten zu Windows 10 und Windows Server sagen dagegen, betroffene Geräte bleiben auf 2608 und erhalten Sicherheitsupdates bis 10. Oktober 2028. Wie beides zusammenpasst, erklärt Microsoft auf diesen Seiten nicht. Auch wie die Sicherheitsupdates für 2608 technisch ausgeliefert werden, beschreiben die Seiten nicht. Wir lösen den Widerspruch hier nicht auf. Die Buildnummer nach dem Oktober-Patchday 2026 ist ein Hinweis, den Sie selbst prüfen können.

Weitere offene Punkte:

  • Wir geben Microsofts Aussagen wieder. Wie sich einzelne Geräte beim Update tatsächlich verhalten, haben wir für diesen Beitrag nicht beobachtet.
  • Wann Version 2610 erscheint, nennt Microsoft in der Versionstabelle nicht.
  • Welche Microsoft-365-Tarife welche App-Variante enthalten und wie Microsoft 365 Apps auf Terminalservern lizenziert werden, behandelt dieser Beitrag nicht.
  • Alle Angaben zu Version 2609 geben den Stand vom 25. September 2026 wieder.

Wobei Toptronix unterstützt

Wenn Sie nicht sicher sind, welche Ihrer Rechner und Server unter diese Regel fallen, gehen wir die Geräte gern mit Ihnen durch. Dabei besprechen wir auch, welcher Weg zu Ihrem Betrieb passt.