Am 7. Oktober 2026 hat Microsoft im Nachrichtencenter des Microsoft 365 Admin Centers die Mitteilung MC1490899 veröffentlicht. Ihr Titel: „Microsoft 365: Targeted Release retirement“. Microsoft kennzeichnet sie als „Major change“ mit „Admin impact“ und nennt als Handlungsdatum den 31. Oktober 2026. Es geht um eine Einstellung namens Targeted release. Sie legt in Ihrem Mandanten fest, also in dem abgegrenzten Bereich, den Microsoft 365 für Ihren Betrieb führt, für welche Nutzer neue Funktionen nach welchem Zeitplan ankommen.

Die Kurzfassung hat zwei Termine. Im November 2026 können Administratoren Nutzer nicht mehr in Targeted release aufnehmen, daraus entfernen oder ihre Zuordnung ändern. Im Januar 2027 stellt Microsoft Targeted release für die Microsoft-365-Dienste ganz ein. Bis dahin bleiben Nutzer, die Targeted release zugeordnet sind, dort.

Gleich vorweg: Wer Targeted release nicht nutzt, muss laut Microsoft nichts unternehmen. Dieser Beitrag hilft Ihnen herauszufinden, ob das auf Ihren Betrieb zutrifft. Und falls nicht, was zu entscheiden ist.

Was an die Stelle von Targeted release tritt

Nach der Einstellung von Targeted release kennt Microsoft 365 drei Optionen. Die Beschreibungen stammen von Microsoft Learn, Stand 7. Oktober 2026:

Allgemeine Verfügbarkeit (englisch General Availability, kurz GA) meint den Zeitpunkt, an dem Microsoft eine Funktion offiziell für alle freigibt. Frontier ist der frühe Zugang davor. Wir haben das Programm im Beitrag zum neuen Copilot eingeordnet und lassen es hier beiseite. Für die Entscheidung, um die es geht, zählen Standard und Deferred.

Was Deferred release kann und was nicht

Deferred release klingt nach einem Puffer: Neues kommt bei Ihren Mitarbeitenden später an, und Sie haben Zeit, sich darauf einzustellen. Das stimmt, aber nur mit Einschränkungen, die Microsoft in seinen häufigen Fragen zu den neuen Optionen selbst nennt:

  • Nur markierte Funktionen: Deferred gilt ausschließlich für Funktionen, die Microsoft in seinen Mitteilungen im Nachrichtencenter sowohl als „Major update“ als auch als „Deferred feature“ kennzeichnet. Alle anderen Funktionen kommen auch bei Deferred-Nutzern zur allgemeinen Verfügbarkeit an.
  • Mandantenweite Änderungen: Änderungen, die den ganzen Mandanten betreffen, können alle Nutzer gleichzeitig erreichen, egal ob sie Standard oder Deferred zugeordnet sind.
  • Keine Einzelauswahl: Einzelne Funktionen lassen sich nicht gezielt aufschieben.
  • Wann die Frist beginnt: Die rund 30 Tage zählen ab dem Moment, in dem Microsoft beginnt, eine Funktion weltweit an Standard-Nutzer zu verteilen. Nicht erst ab dem Ende dieser Verteilung.
  • Wechsel mit Nebenwirkung: Wer Nutzer von Standard nach Deferred verschiebt, muss damit rechnen, dass ihnen vorübergehend Funktionen fehlen, die in Deferred noch nicht verfügbar sind.

Unterm Strich verschafft Deferred release Ihnen bei ausgewählten großen Neuerungen etwa einen Monat Vorlauf. Eine allgemeine Bremse für alle Änderungen in Microsoft 365 ist es nicht.

Was nicht betroffen ist

Microsoft grenzt ausdrücklich ab. Nicht betroffen sind die Update-Kanäle der Microsoft 365 Apps, also der Office-Programme auf Ihren Rechnern, die Update-Kanäle von Windows und die Insider-Programme für Microsoft 365. Wie Word, Excel oder Outlook auf Ihren Rechnern ihre Updates bekommen, bleibt also, wie es ist. Dasselbe gilt für Windows Update.

Betroffen sind laut Microsoft Learn unter anderem das Microsoft 365 Admin Center, Teams, OneDrive, SharePoint Online, Outlook im Web, das neue Outlook für Windows und Office für das Web. Die Mitteilung MC1490899 nennt zusätzlich einzelne Bestandteile von Exchange Online.

Was passiert, wenn niemand etwas tut

Microsoft stellt Ihre Einstellungen nicht von sich aus um. Nutzer, die Targeted release zugeordnet sind, folgen nach der Einstellung der Option, die in Ihrem Mandanten für Standard oder Deferred konfiguriert ist. Ist dort nichts konfiguriert, bekommen sie neue Funktionen über Standard release.

Das klingt beruhigend. Einen Haken hat es trotzdem: Ist im Mandanten bereits Deferred eingerichtet, landen die Targeted-Nutzer im Januar 2027 dort. Wer nicht weiß, was in seinem Mandanten eingestellt ist, weiß also auch nicht sicher, wo diese Nutzer ankommen. Genau das sollten Sie vor November 2026 klären lassen.

Was Microsoft empfiehlt

Microsoft rät, die nötigen Schritte vor November 2026 zu erledigen, und nennt in MC1490899 als Handlungsdatum den 31. Oktober 2026. Für den Umstieg schlägt Microsoft Learn diese Zuordnung vor:

Die Idee hinter der mittleren Zeile: Einige wenige Personen im Betrieb erhalten große Neuerungen zum Zeitpunkt der allgemeinen Verfügbarkeit, alle anderen etwa 30 Tage später. Wer Fragen der Kollegen beantworten soll, kennt die Neuerung dann schon. Das gilt allerdings nur für die markierten Funktionen.

Laut der Anleitung zu Standard und Deferred wählen Sie die Option für den ganzen Mandanten. Ausnahmen lassen sich für einzelne Nutzer oder Sicherheitsgruppen festlegen, höchstens 100 Stück. Bis eine Änderung wirkt, können bis zu 24 Stunden vergehen.

Wer das einstellt

Für Standard und Deferred braucht die Person, die einstellt, laut Microsoft eine dieser Rollen im Admin Center: Office Apps Admin, Security Admin oder AI Admin. Die Rolle des globalen Administrators ist dafür also nicht nötig. Für die Zuordnung zu Targeted release selbst nennt Microsoft dagegen den globalen Administrator.

Zum Ort der Einstellung, Stand Oktober 2026: Standard und Deferred liegen im Admin Center im Bereich Copilot unter „Settings“, Eintrag „Copilot release preferences: General Availability“. Die Zuordnung zu Targeted release liegt unter „Settings > Org settings > Organization profile > Release preferences“. Im November 2026 will Microsoft eine einheitliche Oberfläche namens „Release Preferences“ einführen. Die Oberfläche für Standard und Deferred vom Oktober 2026 löst sie dann ab. Wir nennen die englischen Bezeichnungen, weil uns die deutschen Beschriftungen nicht belegt vorliegen. Eine Klickanleitung geben wir bewusst nicht: Das ist Arbeit für Ihre Administration oder Ihren Dienstleister.

Was Sie vor November 2026 klären sollten

Es geht um eine Entscheidung, nicht um eine Pflicht. Die Umsetzung liegt bei der Administration, die Entscheidung bei Ihnen. Diese fünf Fragen können Sie Ihrem Dienstleister oder Ihrer internen IT stellen:

  1. Nutzt unser Mandant Targeted release, für alle oder für ausgewählte Nutzer? Wenn nein, ist laut Microsoft nichts zu tun.
  2. Ist bei uns bereits Standard release oder Deferred release konfiguriert, und wo landen unsere Targeted-Nutzer damit im Januar 2027?
  3. Wollen wir große, markierte Neuerungen zur allgemeinen Verfügbarkeit bekommen (Standard) oder etwa 30 Tage später (Deferred)?
  4. Falls Deferred: Wer bekommt als Ausnahme Standard release, damit jemand im Haus Neuerungen vor den anderen kennt?
  5. Wer im Betrieb oder beim Dienstleister hat die nötige Rolle, und wo ist die Entscheidung mit Datum festgehalten?

Zur Abwägung: Standard ist die Voreinstellung. Es muss also nichts eingerichtet werden, und Ihre Mitarbeitenden bekommen Neuerungen, sobald Microsoft sie freigibt. Deferred gibt Ihnen bei großen, markierten Neuerungen rund einen Monat Zeit, etwa um Mitarbeitende vorzubereiten. Dafür sind Einstellung und Ausnahmen zu pflegen, und die Grenzen von oben bleiben bestehen. Welche Variante besser passt, hängt davon ab, wie sehr eine überraschende Änderung in Teams oder Outlook Ihren Arbeitsalltag stört.

Was offen ist

Einiges beantworten die Microsoft-Seiten, auf die sich dieser Beitrag stützt, nicht:

  • Lizenzpläne: Ob Deferred release in Microsoft 365 Business Basic, Business Standard und Business Premium zur Verfügung steht oder eine bestimmte Lizenz voraussetzt, sagen die gelesenen Seiten nicht ausdrücklich. Lassen Sie das im eigenen Mandanten prüfen.
  • Einstellungsseite unter Copilot: Ob diese Seite auch in Mandanten ohne Copilot-Lizenz erscheint, haben wir nicht geprüft.
  • Genaue Tage: Für die Sperre der Zuordnungen und die Einstellung von Targeted release nennt Microsoft nur Monate, keine Tagesdaten.
  • Neue Oberfläche: Wie die einheitliche Oberfläche ab November 2026 aussieht und wie sie auf Deutsch beschriftet ist, beschreiben unsere Quellen nicht.
  • Markierte Funktionen: Welche Neuerungen die Markierung „Deferred feature“ tragen, zeigt erst die jeweilige Mitteilung im Nachrichtencenter.

Die Microsoft-Learn-Seiten zu diesem Thema tragen den Stand 7. Oktober 2026. Ändert Microsoft Termine oder Bedingungen, gilt der Stand dort.

Fazit

Im einfachsten Fall ist das Ende von Targeted release mit einer Prüfung erledigt: nachsehen lassen, ob die Einstellung genutzt wird. Wenn ja, wählen Sie vor November 2026 zwischen Standard und Deferred. Haben Sie Toptronix mit der Microsoft-365-Verwaltung beauftragt, gehört diese Einstellung zu denen, die wir in Ihrem Mandanten prüfen und mit Datum festhalten. Sprechen Sie uns an, wenn Sie wissen möchten, wie Ihr Mandant eingestellt ist.